Machtverschiebung?
BRICS-Staaten fordern Europa und USA heraus
Ihren Namen BRIC – zunächst ohne Südafrika – hat die Vereinigung dem Goldman-Sachs-Banker Jim O’Neill zu verdanken. Inzwischen ist aus der Wortschöpfung des britischen Finanzexperten über die rasant wachsenden Schwellenländer eine machtvolle Organisation geworden.
Am klarsten formuliert Russland (im Bild v.l.n.r.: Indiens Premier Manmohan Singh, Chinas Präsident Xi Jinping, Südafrikas Staatschef Jacob Zuma, Brasiliens Präsidentin Dilma Roussef und Russlands Präsident Wladimir Putin) den neuen Machtanspruch. Ein Strategiepapier der Regierung spricht laut der russischen Zeitung "Kommersant" von "einer Verschiebung der globalen Machtzentren zugunsten der wirtschaftlich aufstrebenden BRICS-Staaten". Ziel sei es, den Westen zurückzudrängen und den BRICS-Einfluss zu steigern. BRICS könne demnach "den Kern einer neuen Weltordnung bilden". Putin sprach sich für ein "strategisches Zusammenwirken" der neuen Staatengruppe "zur Lösung der weltpolitischen Schlüsselprobleme" aus.
Wachstumsraten rasen dem Westen davon
Für die traditionellen Wirtschaftsmächte Europa und USA bedeutet das BRICS-Gipfeltreffen eine kaum verhohlene Herausforderung. So wollen die fünf Staaten etwa den US-Dollar im Handelsverkehr untereinander abschaffen. Es gehe nun darum, "die alternde internationale Finanzarchitektur zu transformieren", formulierte dazu der Abgesandte Putins, Mikhail Mergelov, in Südafrika.
"Die BRICS sind ein Schock für die gegenwärtige Weltordnung. Aber der Schock besitzt positive Energie. Das ist gut für die Welt", kommentierte zufrieden die chinesische Zeitung "Guangming Ribao". Wie wichtig Peking die Fünfer-Gruppe nimmt, zeigt auch, dass die erste Auslandsreise des neuen Staatschefs Xi Jinping zuerst nach Russland und dann zum BRICS-Gipfel führte.
Allerdings wussten die rund 5.000 Delegierten in Durban auch um die Differenzen und Probleme der erst 2009 fast schon zufällig formierten Staatengruppe. Kühne Prognosen, wonach die BRICS-Staaten wirtschaftlich bald die EU und die USA einholen, haben sich nicht erfüllt. Nur China ist es bisher gelungen, ein globaler Wirtschaftsgigant zu werden.
Mexiko, Indonesien oder Türkei statt Südafrika?
Am wenigsten Wirtschaftsmacht unter den BRICS hat Südafrika – das sich aber als Tor zum afrikanischen Kontinent versteht. Ökonomen glauben, dass Mexiko, Indonesien oder die Türkei viel besser zu BRICS gepasst hätten als Südafrika. Aber das einzige Schwellenland Afrikas war für Brasilia, Moskau, Neu Delhi und Peking vor allem wegen der wachsenden Bedeutung des Kontinents wichtig. China hat die alten Kolonialmächte Großbritannien und Frankreich sowie die USA als Afrikas größter Handelspartner mittlerweile überholt.
Auch politisch gewinnen die BRICS-Staaten an Gewicht. Das belegen derzeit Stimmen aus der arabischen Welt. So rief Syriens Staatschef Bashar al-Assad den Gipfel dazu auf, zur Beendigung des Konflikts in seinem Land beizutragen.
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