Versunken im Schnee

UK: Harter Winter lässt das Leben erstarren

Ausland
29.03.2013 12:35
Der kleine Charlie ist gerade mal sechs Wochen alt - und hat Hunger. Aber rund ums Haus der Familie Rea in der nordirischen Region Antrim türmen sich Schneemassen, die ein Wegkommen so gut wie unmöglich machen. Doch als Milch und Windeln knapp werden, kommt Rettung aus der Luft, per Polizeihubschrauber. Für viele Menschen in der Region ist das derzeit die einzige Hoffnung.

Ähnlich sieht es in Schottland aus, wo es kurz vor Beginn des langen Osterwochenendes und sechs Tage nach dem Zusammenbruch von Teilen des Stromnetzes noch immer nicht wieder überall Elektrizität gibt. Vor allem die für ihre Naturschönheit bei Touristen beliebte Halbinsel Kintyre und die Insel Arran im Westen sind betroffen. Die restlichen 1.200 Häuser sollen vor Ostern wieder Strom bekommen, versprach der Energieanbieter Scottish and Southern Energy. Vergangenen Freitag waren Strommasten und Leitungen unter dem Schnee zusammengebrochen, zeitweise saßen Zehntausende Menschen im Dunkeln.

Doch nicht nur die Menschen leiden. Tausende Schafe und andere Tiere wurden unter den Schneemassen begraben. Bilder zeigten dramatische Rettungsaktionen, bei denen Osterlämmer unter meterdicken Schneedecken hervorgezogen wurden. Oft hatten die Bauern aber keine Chance, ihre Tiere zu retten - unzählige erfroren. Zwar entspannt sich die Lage langsam, aber vorbei ist der Winter noch immer nicht. Neuschnee wird zwar nicht erwartet, doch die eisigen Temperaturen könnten laut Meteorologen bis Mitte April anhalten.

"Es erscheint schon komisch, dass wir im 21. Jahrhundert immer noch solche Probleme haben", sagt Brian Johnston vom Roten Kreuz in Nordirland. Bauer Graham Craig aus Banagher erklärt sich das zum einen durch die Abgelegenheit vieler Höfe. Als größtes Hindernis aber sieht er tatsächlich die extremen Wetterbedingungen und Schneeverwehungen, die stellenweise meterhoch sind: "Der Schnee weht von den Feldern auf die Straßen und macht es schwer, irgendwohin zu kommen." Es sei jetzt wichtig, sich unter den Nachbarn zu helfen und vor allem nach älteren Menschen zu sehen.

"Müssen zusammenarbeiten, um Eskalation zu vermeiden"
Die nordirische Regionalregierung will Bauern, die einen Großteil ihrer Tiere verloren haben, auch finanzielle Hilfe zukommen lassen. "Im Norden gibt es immer noch Regionen, die vollkommen unpassierbar sind, einige Bauern können nicht zu ihren Tieren gelangen", sagte Joe Byrne vom Landwirtschaftsausschuss dem Sender BBC. "Wir müssen alle zusammenarbeiten, um zu verhindern, dass diese Krise weiter eskaliert."

Per Hubschrauber werden deshalb nicht nur Lebensmittel und Medikamente zu den Menschen gebracht, sondern auch Futter für die Tiere. Dabei hilft die Armee der Republik Irland mit. Die Regionalregierung muss allerdings auch Kritik einstecken, weil sie zu spät reagiert haben soll. Zur Verteidigung hieß es vom Landwirtschaftsministerium, das ganze Ausmaß des Problems sei erst am Montag - drei Tage nach Beginn des Schneefalls - deutlich geworden.

Auch Schottlands Regionalregierung will Geld für die Bauern fließen lassen - denn nach Ansicht des für Landwirtschaft zuständigen Regionalministers Richard Lochhead erlebt das Land eine Ausnahmesituation: "Teile Schottlands kämpfen gegen den schlimmsten Schnee, den es zu dieser Jahreszeit je gegeben hat."

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