Vorwürfe gegen USA

Russischer Teenie heizt Streit um Adoptionen neu an

Ausland
27.03.2013 12:34
Der 18-jährige Russe Alexander Abnosov heizt den Streit um Adoptionen zwischen Russland und den USA weiter an. Er behauptet, von seinen Adoptiveltern in Philadelphia vernachlässigt worden zu sein. Er habe monatelang auf der Straße leben und sogar stehlen müssen, um zu überleben, so Abnosov. Für die staatlichen russischen Medien eine willkommene Anschuldigung.

Russland hatte Anfang des Jahres ein Adoptionsverbot gegen die USA ausgesprochen. Es gilt als Antwort auf das kurz davor in den Vereinigten Staaten beschlossene Gesetz "Magnitsky Act", das Sanktionen gegen russische Beamte bei Menschenrechtsverstößen vorsieht - etwa Einreiseverbote und Vermögenssperren.

Russland hingegen behauptet, der Adoptionsbann sei lediglich dafür gedacht, russische Kinder vor schlechter Behandlung in den USA zu schützen. Die neuen Anschuldigungen gegen US-Adoptiveltern durch Abnosov kommen dem Staat daher gerade recht, um sich gegen die Kritik von Politikern und Menschenrechtsorganisationen zu wehren.

Ständig Streit mit Adoptivmutter
Der Teenager sei vor etwa fünf Jahren adoptiert worden, berichteten die russischen TV-Stationen Channel 1 und Rossiya am Dienstag. Seiner Adoptivmutter wirft der inzwischen 18-Jährige vor, sie habe ihn ständig kritisiert. "Sie machte aus jedem kleinen Problem ein großes", so Abnosov gegenüber Channel 1. Die Konflikte seien derart ausgeartet, dass er drei Monate lang auf der Straße gelebt habe. "Ich habe Zeug gestohlen und verkauft, um ein bisschen Essen zu bekommen", sagte er im Interview.

Teenager fühlte sich vernachlässigt
Der Zeitung "Komsomolskaya Pravda" zufolge gibt der 18-Jährige an, seine Adoptiveltern hätten ihn in einer Obdachlosenunterkunft besucht, ihn aber nicht gebeten, nach Hause zu kommen. Sein Vater habe ihm 500 US-Dollar für ein Flugticket nach Russland gegeben, berichtete der Teenager gegenüber Channel 1.

Seine US-Adoptivmutter hingegen sage, sie habe ihn nach Hause holen wollen, so "Komsomolskaya Pravda", doch er habe lieber zu seinen Verwandten nach Russland gewollt. Inzwischen lebt er bei seiner Großmutter im russischen Cheboksary (Bild). Gegenüber US-Medien wollten sich die Adoptiveltern bisher nicht zu dem Fall äußern.

Russland argumentiert mit Todesfällen
Russland rechtfertigt den Adoptionsbann unter anderem mit dem Fall von Dima Jakowlew, einem adoptierten Kleinkind aus Russland. Es starb 2008 im Alter von 21 Monaten in den USA, nachdem es sein Adoptivvater bei brütend heißem Wetter in einem Auto zurückgelassen hatte. Dass der Vater freigesprochen wurde, sorgte in Russland für enorme Empörung.

Auch der Tod des aus Russland adoptierten dreijährigen Max Shatto, der am 21. Jänner dieses Jahres tot in Texas gefunden wurde, wird zur Argumentation herangezogen. Die russischen Behörden behaupten, er sei wegen "unmenschlicher Behandlung" gestorben, seine Adoptiveltern wurden von einem US-Gericht jedoch nicht belangt - es habe sich bei dem Tod des Kindes um einen Unfall gehandelt, so das Urteil.

US-Gesetz nach verstorbenem Russen benannt
Der russische Anwalt Sergej Magnitski war 2008 in Moskau festgenommen worden, nachdem er Beamten des Innenministeriums Betrug vorgeworfen hatte. Er starb 2009 - möglicherweise durch Folter - in U-Haft, sein Tod wurde nie aufgeklärt (siehe Infobox). Die USA reagierten mit dem "Magnitsky Act" - verdächtige Russen können nun mit Sanktionen wie Einreiseverboten und Vermögenssperren belegt werden.

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