Präsident geflohen

Rebellengruppe übernimmt Macht in Zentralafrika

Ausland
25.03.2013 18:02
Nach der Flucht des zentralafrikanischen Präsidenten Francois Bozize hat sich Rebellenführer Michel Djotodia am Montag zum neuen Staatsoberhaupt des Krisenlandes ernannt. UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte die Machtübernahme der Rebellen und forderte eine rasche Wiederherstellung der verfassungsmäßigen Ordnung. Der arabische Sender Al-Jazeera berichtete von schweren Plünderungen in der Hauptstadt Bangui. "Die meisten Bewohner sind in ihren Häusern, weil fast alles geplündert wurde", zitierte der Sender eine UNO-Mitarbeiterin vor Ort.

Nach monatelangem Konflikt mit der Regierung hatten Rebellen am Sonntag den Präsidentenpalast in Bangui eingenommen. Staatsoberhaupt Bozize (Bild 2) sei mit einigen Familienmitgliedern ins benachbarte Kamerun geflohen, erklärte ein Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums am Montag. Al-Jazeera hatte zuvor in einem Bericht einen Milizensprecher zitiert, dem zufolge der Präsident in die Demokratische Republik Kongo geflohen wäre. Djouma Narkoyo von den Rebellen sagte Sonntag früh, dies sei ein "entscheidender Tag" bei der Einnahme der Hauptstadt.

Die Seleka hatte sich im Dezember im Norden des Landes gegen die Regierung erhoben und am Samstagabend erklärt, auf ihrem Vormarsch auf Bangui die Stadtgrenze erreicht zu haben. Sie riefen die regulären Streitkräfte auf, keinen Widerstand zu leisten, und forderten den Rücktritt des Präsidenten.

Nach Augenzeugenberichten lieferten sie sich bereits am Samstagabend am Stadtrand Gefechte mit Regierungstruppen. Der britische Sender BBC zitierte einen Rebellensprecher mit den Worten, seine Leute hätten einen Militärhubschrauber abgeschossen und seien auf dem Weg zum Präsidentenpalast. Die Seleka-Rebellen werfen Präsident Bozize vor, eine erst im Jänner getroffene Friedensvereinbarung nicht einzuhalten.

Hollande fordert Rebellen zu Dialog mit Regierung auf
Frankreichs Präsident Francois Hollande forderte die Rebellen zum Dialog mit der Regierung auf. Die Allparteienregierung sei das Ergebnis des Friedensabkommens von Libreville vom 11. Jänner, erklärte er am Sonntag in Paris. Auch UN-General Ban bezeichnete das unter Vermittlung der Wirtschaftsgemeinschaft Zentralafrikanischer Staaten erzielte Abkommen als beste Grundlage für dauerhaften Frieden und Stabilität in der Zentralafrikanischen Republik.

Sorgen bereiteten Ban auch die schlechte humanitäre Lage in dem Land sowie die gemeldeten Plünderungen in der Hauptstadt Bangui, inklusive der dortigen UNO-Einrichtungen. Die Vereinten Nationen würden alles tun, um ihre Mitarbeiter zu schützen. Auch Hollande rief die bewaffneten Gruppen auf, die Rechte der Bevölkerung zu achten.

Während in und um Bangui noch immer Kämpfe im Gange sind, wurden unterdessen französische Truppen aus Gabun in die Zentralafrikanische Republik entsandt, um den Flughafen der Hauptstadt zu sichern. Über 1.000 Franzosen leben in der ehemaligen Kolonie.

Rebellenführer verspricht freie Wahlen
Die Rebellen beteuerten indessen, den Friedensvertrag respektieren zu wollen. "Wir werden uns immer an den Geist von Libreville halten", sagte Rebellenführer Michel Djotodia Radio France Internationale. Er sagte zu, dass der Chef der aktuellen Regierung der nationalen Einheit, Nicolas Tiangaye, im Amt bleiben solle. Auch sollten innerhalb von drei Jahren "freie und transparente" Wahlen stattfinden, kündigte Djotodia an, der sich mittlerweile zum Übergangspräsidenten erklärte. Er wolle sich noch am Montag mit einer Rede an das Volk wenden, berichtete der französische Sender RFI am Montagmorgen.

Afrikanische Union suspendiert Mitgliedschaft Zentralafrikas
Mit der Suspendierung der Mitgliedschaft der Zentralafrikanischen Republik und Sanktionen gegen sieben Putschverantwortliche reagierte die Afrikanische Union am Montag auf das derzeitige Chaos. 

Die Sanktionen umfassen Reisebeschränkungen und das Einfrieren von Vermögenswerten der sieben Anführer, einschließlich des Rebellenführers Djotodia, wie der AU-Friedens-und Sicherheitskommissar Ramtane Lamamra am Montag in Addis Abeba erklärte.

Seit Monaten angespannte Lage
Die Lage ist seit Monaten gespannt. Bereits im Dezember hatten die Seleka-Rebellen wichtige Städte eingenommen und waren auf dem Weg nach Bangui. Frankreich, die USA und die Zentralafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft schickten daraufhin Truppen in das Krisenland. Nach Friedensgesprächen hatten die Rebellen zunächst zugestimmt, dass Bozize bis 2016 im Amt bleibt.

Die Zentralafrikanische Republik war 1960 unabhängig geworden. Das Land, das an andere Krisenstaaten wie den Kongo und den Sudan grenzt, ist seit Langem von politischer Instabilität geprägt. Trotz reicher Rohstoffvorkommen an Diamanten, Gold und Uran gehört es nach wie vor zu den ärmsten Staaten der Erde.

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