Mit starken Botschaften begann im Lehár-Theater in Bad Ischl – das eine Baustelle ist – das Europäische Theaterfestival der Kulturhauptstadt 2024. Eine Lesung von Mavie Hörbiger und die Uraufführung eines Stücks, das mit Schlingensiefs Operndorf entwickelt wurde, holten sich heftigen Beifall.
Das Lehár-Theater in Bad Ischl darf im Rahmen der Kulturhauptstadt wieder Bühne sein. Es ist zwar heruntergekommen, besitzt aber unglaublichen Charme. Am Ende des Jahres soll endlich die Sanierung des Hauses angegangen werden, wir berichteten.
Für außergewöhnliches Theater aber passt es auch jetzt wunderbar. Zuerst bereitete eine Lesung mit Mavie Hörbiger eine Offenheit beim Publikum für große Themen auf. Dann kam das neue Stück „Inbox / Salz & Säulen“ zur Uraufführung.
Authentische Erlebnisse im Hintergrund
Der eine mag Sonnen und bewundert die Berge. Der andere wird von den Dämonen der vorigen Generationen gejagt, bis er weint. Beim „Platteln“ der Steine über den See wetteifern sie, lachen miteinander, ansonsten ist die Verständigung schwierig.
Der oberösterreichische Burg-Schauspieler Thiemo Strutzenberger und der Autor Sidiki Yougbaré, verankert in Christoph Schlingensiefs Operndorf in Burkina Faso, verfassten Texte über ihre Begegnung in der Kaiserstadt, daraus ist „Inbox / Salz & Säulen“ geworden.
Einfache, aber passende Kulisse
In einer Bühnenlandschaft, die sowohl Gletscherplateau als auch Savanne hätte sein können, wurde die Begegnung von Strutzenberger und Yougbaré skizzenhaft dargestellt. Die beiden Schauspieler Bene Greiner und Justin Ouidiga erspielten dabei authentisch eine viel größere Dimension, denn es ging im Tieferen um die Begegnung von Kontinenten und Kulturen.
Kribbelnde Fragen und die Dämonen
Und um die ehrliche Erkenntnis, dass man sich aufgrund der Sprachbarrieren nur schwer über Lebensthemen unterhalten kann. Dabei hätte jeder dem anderen viel zu erzählen. Poetische, aber auch drängend Sätze berührten Kolonialismus und Missionierung, k. u. k. und Nationalsozialismus, aber auch die Wut auf Diktatoren, beide zeigen auf ihre Weise den fragenden Menschen, der sich doch nur „Sonne, Wind, Regen und Freiheit für alle“ wünscht.
Kooperation als Essenz des Menschen
Yougbaré inszenierte das berührende, intensive Stück gemeinsam mit Polina Solotowizki, einer aus Russland stammenden deutschen Regisseurin. Wichtige Rolle spielte dabei auch die Musik, die keine Grenzen kennt. Die Musikerinnen Nabalüm und DeeLinde ließen afrikanische Volkslieder und Jodeln verschmelzen, zeigten vor wie Kooperation geht. Im Finale begab man sich gemeinsam mit dem Publikum hinaus auf die Straße, um zu singen. Ein Appell zur Bewahrung unserer Erde setzte den Schlusspunkt.
Dieser war zugleich der Auftakt für das Europäische Theaterfestival im Rahmen der Kulturhauptstadt 2024, das bis Sonntag, 13. Oktober dauert.
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