"Riecht nach Chlor"
Pressefotograf in Syrien: Anzeichen für Chemie-Angriff
Bei dem Angriff auf den Ort Khan al-Assal wurden nach Angaben von Staatsmedien und Regimegegnern 25 Menschen getötet. Eine Rakete soll Dienstag früh in den Ort eingeschlagen sein. Das Fernsehen des Regimes zeigte Bilder von angeblichen Opfern. Einige gaben an, Schwierigkeiten beim Atmen zu haben. Ein nicht namentlich identifizierter Arzt sagte, bei der Attacke habe es sich entweder um "Phosphor oder Giftgas" gehandelt.
Ein Rebellenkämpfer sagte Reuters, er habe nach dem Einschlag der Rakete pinken Rauch aufsteigen sehen. Der Flugkörper habe eine vom Regime kontrollierte Gegend getroffen. Kurz nach dem Einschlag habe es einen Angriff von Kampfjets gegeben, die eine von Rebellen gehaltene Polizeischule umkreisten und die Gegend bombardierten.
Syrische Regierung: "Gefährliche Eskalation"
Der syrische Informationsminister Omran al-Zoabi erklärte, die Türkei und Katar würden die Rebellen unterstützen und trügen darum die "juristische, moralische und politische Verantwortung" für die Attacke. Der Chemiewaffenangriff stelle eine "gefährliche Eskalation" dar, wurde er im Staatsfernsehen zitiert.
Zudem ergänzte er, die Streitkräfte seines Landes würden niemals international geächtete Waffen verwenden. "Wenn wir Chemiewaffen hätten, würden wir sie aus moralischen, humanitären und politischen Gründen nicht verwenden."
Rebellen weisen Verantwortung zurück
Ein Kommandant der Rebellen in Aleppo, Qassim Saadeddine, sagte wiederrum, die Rebellen hätten nichts mit dem Angriff zu tun. In der Hauptstadt Damaskus veröffentlichten Oppositionelle Videoaufnahmen von Opfern eines angeblich weiteren Chemiewaffenangriffs. Die Aufnahmen zeigten, wie Männer und Buben in einem Spital mit Sauerstoff versorgt wurden. Der Angriff habe in dem östlich von Damaskus gelegenen Otaiba stattgefunden, hieß es.
Internationale Besorgnis nach der Attacke
Die britische Regierung drohte schnell mit ernsten Konsequenzen. Eine Sprecherin in London sagte, man kenne die Medienberichte. Der Einsatz oder die Verbreitung von Chemiewaffen würde eine entschlossene Reaktion der Staatengemeinschaft nötig machen. Großbritannien wäre gezwungen, "seinen bisherigen Ansatz" in der Syrien-Frage zu überprüfen.
Russland, das als Verbündeter des Regimes von Bashar al-Assad gilt, beschuldigte die Rebellen, hinter dem Einsatz von Chemiewaffen zu stecken. Der Vorfall bringe den Konflikt in dem Staat auf eine "neue Ebene", hieß es laut einer Stellungnahme aus dem Außenministerium in Moskau.
Auch aus Österreich gab es besorgte Stimmen. "Sollte sich der Verdacht bestätigen, dass es im syrischen Bürgerkrieg zu einem Einsatz von Chemiewaffen gekommen ist, muss die internationale Gemeinschaft einschreiten", sagte die Parlamentarierin Alev Korun, außenpolitische Sprecherin der Grünen, laut einer Aussendung.
Verwendung von C-Waffen ist für USA "rote Linie"
Bisher gab es im syrischen Bürgerkrieg keinen bestätigten Einsatz von Chemiewaffen, jedoch hatte es mehrfach solche Vorwürfe von Regimegegnern gegeben. US-Präsident Barack Obama hatte zuletzt wiederholt gewarnt, mit der Verwendung solcher Waffen werde die "rote Linie" überschritten. Er stellte eine westliche Militärintervention als Option in den Raum.
In Syrien sollen etwa 1.000 Tonnen chemische Kampfstoffe lagern, darunter Sarin, Senfgas und VX. Im Westen wird auch gefürchtet, die Waffen könnten in die Hände von Extremisten fallen.
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