Nüchterne Bilanz

10 Jahre nach US-Invasion: Der Irak wurde iranischer

Ausland
19.03.2013 12:09
Täglich neue Anschläge, eine katastrophale Sicherheitslage und kein Schimmer von Normalität: Zehn Jahre nach der US-Invasion im Irak am 20. März 2003 ist das Land weit weg von einem funktionierenden Rechtsstaat - und die Bilanz fällt mehr als nüchtern aus. Abgesehen von dem Debakel, das sich nach der missglückten US-Mission humanitär und wirtschaftlich breitmachte, war der Irak stets ein Stimmungsbarometer für den regionalen Machtkampf zwischen Sunniten und Schiiten.

Während Washington mehr und mehr zum Hassobjekt wurde und man die amerikanischen Besatzer lieber gestern als morgen loswerden wollte, ist Bagdad in den vergangenen zehn Jahren iranischer geworden.

Auf einer alten Lehmwand in der Hauptstadt hat ein Iraker seiner Wut freien Lauf gelassen: "Ihr Amerikaner seid gekommen, um zu helfen, habt Saddam, den ihr Jahre gesponsert habt, eliminiert und im Endeffekt nichts als Schutt, Asche und Unheil über unser Land gebracht." Dieser Eindruck findet auch in der eher iranisch ausgerichteten Regierung ihren sunnitischen Stempel.

Iran: Netzwerk im Irak ausgebaut
Schon seit jeher war es so, dass sich Länder in Zeiten von innenpolitischen Spannungen auf außenpolitische Errungenschaften stützen, um von den inneren Querelen abzulenken. So ist es Teheran in den vergangenen Jahren sehr gut gelungen, sein Netzwerk im einst verfeindeten Nachbarland auszubauen. Noch in der Kriegszeit holte man schiitische Flüchtlinge ins Land, unterstützte sie und half ihnen dabei, Jahre später "mit pro-iranischem Einfluss", wie es ein Al-Jazeera-Journalist einmal in Bagdad treffend formulierte, wieder in ihre irakische Heimat zurückzukehren.

Und die Schiiten sind es auch, die im neuen Irak Schlüsselpositionen übernommen haben. Es ist eine Ironie des Schicksals, dass das Saddam-Regime nicht von irakischen Schiiten und auch nicht vom Iran beseitigt wurde, sondern vom "großen Satan" USA. Der US-Einmarsch im Irak löste deswegen gemischte Gefühle im Iran aus: Natürlich war man erleichtert, dass Saddam Hussein gestürzt wurde und die Schiiten Zugang zur Macht bekamen, gleichzeitig aber mochte man den USA dafür nicht applaudieren. 

Grabenkämpfe mit Explosionspotenzial
Normalität wird im Irak auch in den nächsten Monaten nicht einkehren, denn die Kluft zwischen Sunniten und Schiiten artet in Grabenkämpfe mit hohem Explosionspotenzial aus. Noch immer wird der Irak nahezu jede Woche von Anschlägen erschüttert, regelmäßig sterben dabei Dutzende Menschen.

Auch zehn Jahre nach der US-geführten Militärinvasion kommt das Land nicht zur Ruhe. Von einer Demokratie nach westlichem Vorbild kann im Irak angesichts einer dauerhaften Regierungskrise und tiefgreifender politischer Zerwürfnisse zwischen den Parteien keine Rede sein. Der bittere Beigeschmack nach dem Abzug der US-Truppen Ende 2011 ist in den Straßen von Bagdad weiterhin omnipräsent.

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