Der Start des lang erwarteten Aufbaustrategiespiels "SimCity" wird für Publisher Electronic Arts (EA) und das Spielestudio Maxis immer mehr zum Debakel. Nachdem beim Start des mit Online-Zwang versehenen Spiels bereits massive Probleme (siehe Infobox) mit den für das Spielen notwendigen Servern auftraten und Spieler vehement nach einem Offline-Modus verlangten, behauptete der Hersteller des Games, ein Offline-Modus sei aufgrund aufwendiger Cloud-Berechnungen, die nur auf den "SimCity"-Servern durchgeführt werden könnten, nur mit erheblichem Aufwand zu realisieren.
Mittlerweile hat sich ein vermeintlicher Maxis-Mitarbeiter zu Wort gemeldet, der diese Aussagen in Zweifel stellt. Die für das Spiel erforderlichen Berechnungen würden in Wahrheit auf dem Rechner des Spielers durchgeführt, während auf den Servern nur einige eher unwichtige Arbeitsschritte durchgeführt würden, die für das Spiel in Wahrheit nicht unbedingt notwendig seien, so der anonyme Informant zum Spieleblog "Rock, Paper, Shotgun". Tests verschiedener Websites bestätigten zudem, dass das Spiel rund 20 Minuten weiterläuft, wenn die Internetverbindung getrennt wird, und die dabei anfallenden Spieldaten sogar lokal gespeichert werden.
Modder konnte Online-Zwang offenbar deaktivieren
Jetzt folgt die nächste Hiobsbotschaft für Maxis und EA: Dem IT-Portal "WinFuture" zufolge hat es ein Modder geschafft, "SimCity" so zu verändern, dass zwei gravierende Probleme mit dem Game behoben werden. Einerseits sei es dem Modder, der sich "AzzerUK" nennt, gelungen, den Online-Zwang von "SimCity" auszuhebeln und zeitlich unbegrenztes Offline-Spielen zu ermöglichen, andererseits habe er es geschafft, das bebaubare Areal zu vergrößern. Die zu kleinen Karten waren – neben den massiven Problemen, die der Online-Zwang mit sich gebracht hat – einer der Hauptkritikpunkte, die in Tests (siehe Infobox) zu "SimCity" angesprochen wurden.
In einem Video zeigt der Modder, dass er nun auch außerhalb der Stadtgrenzen Straßen errichten kann. Das Problem mit dem Online-Zwang habe er gelöst, indem er den Timer, der das Spiel beendet, sobald 20 Minuten lang keine Internetverbindung besteht, entfernte. Für seine Eingriffe in das Spiel hat der Modder offenbar die Debug-Funktionen der Entwicklerversion genutzt, einige Änderungen sollen jedoch auch mit der normalen Verkaufsversion funktionieren. Inwieweit sich auch diese Version vom Online-Zwang und den zu kleinen Städten abbringen lässt, ist noch unbekannt.
Online-Zwang immer schwerer zu rechtfertigen
Für EA und Maxis wird es angesichts dieser Entwicklungen immer schwieriger, den Online-Zwang mit für das Spiel notwendigen Berechnungen in der Cloud zu rechtfertigen. Tatsächlich dürfte dem Hersteller auch deshalb viel am Online-Zwang gelegen sein, weil es sich dabei um einen recht effektiven Kopierschutz handelt. Einen Kopierschutz, der den Käufern von "SimCity" massive Unannehmlichkeiten bereitet hat. Viele konnten am Release-Wochenende gar nicht spielen, kämpften mit verlorenen Spielständen und ärgerten sich über verschwundene Städte.
Mittlerweile läuft das Spiel zwar einigermaßen rund, das Vertrauen der Spieler in Maxis und EA ist jedoch erschüttert. Die Firmen hinter "SimCity" haben sich inzwischen bei den Käufern der bis zu 79 Euro teuren fertigen Version von "SimCity" entschuldigt. EA will die Spieler am 18. März zudem mit einem Gratis-Spiel im hauseigenen Online-Shop Origin entschädigen.
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