Spannend wird es erst richtig nach der Wahl, lautet ein alter Spruch. Nach einem Monat Wahlkampf – laut Wiens Altbürgermeister Häupl die Zeit fokussierter Unintelligenz – und leeren Versprechungen beginnt nun das große Feilschen um Ämter, beginnt die Abrechnung mit Schuldigen für schlechte Ergebnisse.
Das hätte man alles einfacher und billiger haben können. Es reicht ein Rückblick um 2500 Jahre – nach Athen (deren Schutzgöttin vor dem Parlamentsgebäude in Wien prangt). Griechenland gilt als die Geburtsstätte der Demokratie.
Dort im Stadtstaat Athen etablierte sich eine Spielart der Demokratie, die bisher allerdings keine Nachahmer gefunden hat: die Wahl durch Los. An der Entscheidung konnten alle kriegstauglichen Vollbürger – eine Einwohnerminderheit – teilnehmen. Wer das Los zog, führte für ein Jahr ein Amt ohne Wiederwahl. Das hatte verschiedene Vorteile: kein Wahlkampf; keine Korruption, weil ein zweiter Lostreffer ziemlich unwahrscheinlich ist; kein Bonzentum.
Diese breitest mögliche Beteiligung aller Vollbürger an den Staatsgeschäften hatte eine innovative Kraft, führte Athen zu einer bis heute nachhallenden kulturellen und zivilisatorischen Hochblüte und wurde erst im Zeitalter Alexanders des Großen von den Makedonen beendet.
Wir können auf unsere Demokratie stolz sein, aber es ist noch viel Luft nach oben.
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