Einen Monat lang führte SOS-Kinderdorf eine Kinderstimmen-Wahl durch. Was ist dem Nachwuchs wichtig? Die Kids konnten unter acht Themen wählen. Das Ergebnis zeigt klare Tendenzen. Eine wichtige Kategorie aber fehlt. Sie wurde gar nicht abgefragt.
SOS-Kinderdorf stellte in Parks und öffentlichen Plätzen Wahlkabinen auf. Bei den sieben Terminen von Wien bis Tirol nahmen 914 Kinder und Jugendliche teil. Alle unter 16 Jahre. Das heißt, für die Nationalratswahl sind sich noch zu jung, um ihre Meinung kundzutun. Jeder, der das Alterslimit nicht überschritt, durfte mitmachen.
Auf den kindergerechten Stimmzetteln konnten die Kids aus acht Themen drei ankreuzen (Mehrnennungen). Ein Drittel aller Stimmen kamen aus Wien.
Das Ergebnis des „Urnengangs“: Das wichtigste Anliegen der jungen Menschen ist die „Umwelt“ (531 Stimmen), gefolgt von „Familie & Freunden“ (470), „Gesundheit“ (391), „Spielen & Sport“ (372) und „Mitreden“ (337). Danach kommen „Schule und Lernen“ (319), „Handy & Computer“ (242) und schließlich „Straßen & Verkehr“ (221).
Folgendes ist dazu zu sagen: Der Großteil der Abstimmung fand vor den Unwettern bzw. dem Hochwasser statt (Start Ende August). Bedeutet: Die Natur, die Erde auf der wir leben, ist dem Nachwuchs ein wesentliches Anliegen. Geschichten zur Klimaveränderung sind medial häufig vertreten.
Wir möchten Kindern damit zeigen: Eure Meinung zählt. Viel zu oft wird einfach über ihre Köpfe hinweg entschieden.

Christian Moser, SOS-Kinderdorf
Bild: SOS Kinderdorf Alexander Fuchs
Migration fehlt
Eine wichtige Kategorie fehlt jedoch: „Migration“. Gerade Migration ist bei Jungwählern (16 bis 25 Jahre) ein ganz heißes Thema, sagt Politikexperte Thomas Hofer. Die FPÖ hat in den (a)sozialen Medien die stärkste Präsenz aller politischen Parteien. Außerdem spüren junge Menschen, etwa in den Schulklassen, die Auswirkungen oft direkter als manche älteren Mitbürger.
Warum das Kinderdorf das Thema ausgespart hat, bleibt auf „Krone“-Nachfrage offen. Die Abstimmung soll die Politik anregen, mehr auf die Bedürfnisse des Nachwuchses einzugehen.
„Wir möchten Kindern damit zeigen: Eure Meinung zählt. Viel zu oft wird einfach über ihre Köpfe hinweg entschieden. Junge Menschen wollen aber genauso wie Erwachsene ernst genommen und in Entscheidungen miteinbezogen werden“, so SOS-Kinderdorf Geschäftsführer Christian Moser.
Ist die Abstimmung repräsentativ? Meinungs- und Wahlforscher befragen in den meisten Fällen auch nicht mehr als 1000 Österreicher. Manchmal deutlich weniger. Das Gleiche gilt für unpolitische Erhebungen und Studien.
Also kann man die SOS-Wahl von der Zahl der Teilnehmer als durchaus repräsentativ bezeichnen. Das Ergebnis soll der neuen Regierung übergeben werden.
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.