Spieler lebt in Angst

Drohungen nach Aus: Keine Rückkehr nach Kolumbien!

Erst im Elfmeterschießen war Kolumbien im WM-Achtelfinale an der Schweiz gescheitert. Ein Spieler hatte jedoch in der Verlängerung den Sieg auf dem Fuß. Eine vergebene Chance, die nun eine Welle an Drohungen mit sich bringt, die sogar böse Erinnerungen an den Mordfall an Andres Escobar im Jahr 1994 weckt.

Erst im Elfmeterschießen konnte sich die Schweiz im WM-Achtelfinale gegen Kolumbien durchsetzen. Wobei die Eidgenossen kurz vor dem Ende der Verlängerung riesiges Glück hatten. In Minute 115 stand der kolumbianische Stürmer Jaminton Campaz alleine vor Torhüter Gregor Kobel, dieser schoss den Ball aber  über das Gehäuse.

Und auch wenn der 26-Jährige darauf beim Elfmeterschießen seinen Versuch sicher verwandelte, brodelt nun eine Welle an Drohungen über Campaz und seine Familie. Die mittlerweile sogar soweit geht, dass sich Campaz laut argentinischen Medienberichten vorübergehend dazu entschlossen hat, aus Sicherheitsgründen nicht in sein Heimatland zurückzukehren.

Erinnerungen an Fall Escobar im Jahr 1994
Was unweigerlich Erinnerungen an die letzte Weltmeisterschaft in den USA vor 32 Jahren weckt. Damals erzielte der kolumbianische Verteidiger Andres Escobar ein verhängnisvolles Eigentor zum zwischenzeitlichen 0:1 gegen die USA – am Ende gab‘s ein 1:2 und es folgte das Vorrunden-Aus, obwohl man ein Geheimfavorit war. Kurz darauf wurde der Verteidiger im Heimatland brutal erschossen.

Damit es diesmal längst nicht so weit kommt, hat der Flügelspieler zudem ein emotionales Statement auf Instagram veröffentlicht. In diesem schreibt er eine eindringliche Bitte an die kolumbianische Bevölkerung. Auch der kolumbianische Fußballverband hat die Situation scharf verurteilt. „Kein Sportler und kein Mitglied seines engsten Umfelds sollte Einschüchterungen ausgesetzt sein, nur weil er sein Land im Sport vertritt“, heißt es in einer Stellungnahme.

„ ... Dem ganzen Land kann ich nur sagen, dass ich den Schmerz über dieses Ausscheiden teile. Auch wir haben davon geträumt, weiterzukommen, und ich kenne die Traurigkeit, die wir heute als Kolumbianer empfinden. Es tut mir zutiefst leid, dass ich euch nicht die Freude schenken konnte, auf die wir alle gehofft hatten, aber ich möchte, dass ihr wisst: Es hat nie an Einsatz, Engagement oder Liebe zu diesem Trikot gemangelt.

Ich habe auf dem Platz alles gegeben, was ich hatte, und würde es für mein Land noch tausendmal tun. Fußball besteht auch aus schwierigen Momenten. Heute bleibt uns nur, daraus zu lernen, wieder aufzustehen und weiter daran zu arbeiten, stärker zurückzukommen. Mein Kolumbien, bitte lasst uns niemals den Respekt außer Acht lassen. Wir können unterschiedlicher Meinung sein, Frustration oder Traurigkeit empfinden, aber keine Leidenschaft rechtfertigt Hass und ein Leben in Angst.“

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