Sommerfeeling vor dem Schloss Esterházy in Eisenstadt. Rund 6500 Fans waren am Freitag bei der bislang besten Ausgabe des „Butterfly Dance!“-Festivals mit am Start. Moby, Jovanotti, Sophie Ellis-Bextor und Co. lieferten ein kunterbuntes Programm mit viel Spielfreude und großen Hits.
Die Veranstaltungen im Schlosspark Esterházy haben witterungstechnisch besonders viel Glück. Eingebettet zwischen zwei Hitzewellen (wir harren der zweiten, bald kommenden bereits entgegen) erwischen die Festivals heuer stets eine Galatemperatur. So auch diesen Freitag, als das „Butterfly Dance!“ zum vierten Mal vorstellig wurde und mit dem wohl buntesten und vielseitigsten Line-Up der noch jungen Festival-Historie aufwartete. So druckvoll wie beim „Lovely Days“ ist das Gelände an diesem Tag aber nicht. 6500 Fans werden von den Veranstaltern als offizielle Zahl ausgegeben. Bis spät in den Abend hinein mag man an der Zahl zweifeln, an einem Werktag dauert es eben doch länger, bis sich die Menschen zum Konzert einfinden. Rein beruflich ist das natürlich nachvollziehbar, doch bitter für die ersten Acts des Tages, die mit hoher Qualität aufwarten und definitiv mehr Publikum verdient hätten.
Sommerliches Soul-Fest
So finden sich am frühen Nachmittag ein paar versprengte Seelen im vorderen Bühnenbereich ein, um den Klängen der einheimischen Neo-Soul-Hoffnung Sladek zu lauschen. Die teilweise aus der südlichen Steiermark stammenden Vollblutmusiker rund um Frontmann David Sladek haben quasi Heimvorteil und begeisterten mit ihrem Album „Things Gotta Change“ Fans quer über den Globus. Der Frontmann fand sich als 16-Jähriger im Retro-Soul ein – und wurde von der Umklammerung dieses Sounds seitdem nicht mehr losgelassen. „Menschlichkeit und Imperfektion stehen zu lassen und dabei nicht alles glattzubügeln, das ist definitiv in unserem Sinne als Musiker“, erzählte er der „Krone“ im Interview zum Album. Das Konzert samt dreiköpfiger Band gerät zu einem sommerlichen Soul-Fest mit romantischer Stimmung und viel zwischenmenschlicher Wärme. Songs wie „Weight Of The World“, „Wait For Me“ oder „Here To Stay“ umschmiegen die Seele wie ein warmer Mantel. Schade, dass der Soul-Prophet im eigenen Land so wenig gilt. Eine Band von großem Format wächst hier in rasantem Tempo heran.
Im gemächlichen Soul-Tempo trotzt kurz darauf auch der im Genre bestens erprobte Curtis Harding den heißen Temperaturen am Hitzehöhepunkt des Tages. Mit einer mitreißenden Show begeisterte er zuletzt 2022 im Wiener Jazzclub Porgy & Bess, doch auch die Open-Air-Bühne steht ihm gut zu Gesicht. Dafür sorgen eine reserviert dreinschauende, aber exakt spielende Bassistin und der Lead-Gitarrist, den man optisch direkt aus der letzten Oasis-Tour herausgepflückt zu haben scheint. Harding selbst kommt mit wolleloser Bärenfut und glitzerumrandeter Sonnenbrille auf die Bühne und zeigt sich vom anfänglich kargen Publikumsinteresse auch nicht sonderlich mitgerissen. Da bleibt während des Gesangs Zeit zum Handyschauen oder der Lippenpflege. In Liedern wie „On And On“, „Need Your Love“ oder „Keep On Shining“ stecken mehrere Wagenladungen Herz und Seele. Ein Festschmaus für die Gefühlsbahnen, vielleicht aber ein bisschen unter Wert geschlagen an diesem Nachmittag.
Endlich Zeit für Discokugeln
Nach einer halbstündigen Umbauphase dreht sich das Programm um 180 Grad. Sophie Ellis-Bextor, britische Disco-Königin, der man ihre 47 Jahre nicht im Ansatz ansieht, entfachten den buntesten und lebensfrohesten Programmpunkt des Tages. Auf der erstmals eingesetzten Videowall tummeln sich Discokugeln, Regenbögen, Technicolor und weiße Pferde, die durch bunte Lichtspiralen reiten. Während man sich beim Leinwandstudium in einer Mischung aus LSD-Fiebertraum und Psychedelik-Rückbesinnung wähnt, herrscht auf der Bühne davor größtes Disco-Feeling. Ellis-Bextor schwitzt im glitzernden Lametta-Kleid und kriegt das Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht, während sie sich durch ein Medley von „Lady (Hear Me Tonight)“, „Can’t Fight This Feeling“ und „Gimme! Gimme! Gimme!“ von ABBA singt und tanzt. Dazwischen ruft der dezidierte Fußball-Fan eine „Hydration Break“ aus und freut sich über den Zuspruch. Nicht fehlen darf als Rausschmeißer das durch den Hollywood-Überraschungserfolg „Saltburn“ zu einem zweiten Leben gekommene „Murder On The Dancefloor“. Die hochsympathische Geigerin hörte man hingegen keine Sekunde aus dem Soundwulst durch.
Feurige Rhythmen verspricht auch Italiens Nationalheld Jovanotti, der nur alle heiligen Zeiten in unseren Breitengraden aufschlägt. Zuletzt 2018 in der Wiener Stadthalle vor nicht einmal 3000 Fans, nachdem er zuvor in Mailand die hiesige Eventhalle ganze zehnmal bis auf den letzten Platz füllte. Lorenzo Cherubini, so sein bürgerlicher Name, kommt mit großem Besteck ins mondäne Eisenstadt. Eine Bläsersektion, einen amtlichen, weiblichen Backgroundchor und eine die mit „Jova“ bestückte Glitzerwand deuten auf Großes hin. Für eine sommerliche Festivalrutsche eignen sich Lieder wie „Attaccami la spina“, „Buon vento“, „Bella“ oder „Ragazzo fortunato“ ideal. Das in Österreich bekannt italophile Publikum hängt dem Sänger mit rustikalem Lausbuben-Charme samt Trucker-Kapperl an den Lippen. Der kaum des Englischen Mächtige palavert unentwegt in seiner Heimatsprache. Die Begeisterung überwindet sprachliche Schranken und Ausdrücke wie „bella vita“, „fortuna“ oder „amor“ versteht man grenzübergreifend. Den Hit „L’ombelico del mondo“ sowieso. Ein weiterer Triumph an diesem Abend.
Österreich-Comeback nach 15 Jahren
Vorhang auf für den Headliner des Abends. Das New Yorker Musikurgestein Moby hat die Alpenrepublik das letzte Mal im Zuge des Beatpatrol 2011 besucht. Seitdem hat er sich musikalisch deutlich gewandelt. In den letzten Jahren werkte der 60-Jährige an klassischen Kompositionen, unterlegte diese teilweise mit seinen programmatischen Beats und federnden Klängen. Der einst im Hardcore und Punk sozialisiere, hochpolitische Veganer hat sich ohnehin niemals Grenzen auferlegt und mit seinen Songs in den 90er- und 2000er-Jahren Musikgeschichte geschrieben. Das US-Instagram-Festival Coachella verwandelte er mit kundigen Musikerinnen noch in ein Gospelprojekt, auf seiner ausufernden und quer durch alle Länder gehenden Europatour setzt er doch auf die großen Hits der Vergangenheit. Alben wie „Play“, „18“ oder „Hotel“ aus seiner Hauptzeit stehen im Mittelpunkt des Geschehens und bescheren einem dürstenden Publikum enthusiastische Momente.
Moby ist ein allumfassendes musikalisches Phänomen, das keine Grenzen kennt und reziprok zur üblichen menschlichen Verhaltensweise im zunehmenden Alter an Toleranz, Neugierde und Offenheit dazuzugewinnen vermag. Nur so ist es schlüssig, dass er in sein viel zu kurzes 70-Minuten-Set besonders viel Nostalgie packt und trotzdem zeitgemäß klingt. Moby kalauernd am Mikro, Moby an der Gitarre oder Moby an den Bongo-Trommeln. Wohin er geht, was er ergreift - es klingt gut und macht im Gesamtkonstrukt großen Sinn. Bei Songs wie „Bodyrock“, „Why Does My Heart Feel So Bad“ oder dem eindringlichen merkt man erst, wie sehr einem Moby im Live-Segment abgegangen ist. Trotz der kühlen Bässe vermittelt ein warmes, zugängliches Gefühl und wähnt sich nach einer kurzweiligen Hit-Parade wie in einer anderen Zeit. Zum Closer „Lift Me Up“ fantasiert sich Moby in die seligen 90er zurück, als trotz vieler Querelen alles noch wunderbar schien. Heute sehnt man solchen Zeiten mehr entgegen denn je zuvor. Moby zeigt ein drucksvoll, wie man ein Gestern, Heute und Morgen im Set vermischen kann.
2027 kommt Jan Delay
Ab heute, 11. Juli, 10 Uhr, sind unter www.oeticket.com auch schon Karten für das „Butterfly Dance!“ 2027 erhältlich. Erster fix zugesagter Act ist Jan Delay mit seiner Disko No. 1. Weitere Acts werden folgen.
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