Mit ihrem 1987 veröffentlichten Titel "Metal Gear" legten Entwickler Hideo Kojima und Publisher Konami nicht nur den Grundstein für eine inzwischen seit über 20 Jahren erfolgreiche Serie, sondern bereiteten zugleich späteren Stealth-Ikonen wie Sam Fisher oder Agent 47 den Weg. In "Metal Gear Rising: Revengeance" spielt das Schleichen jedoch nur mehr eine untergeordnete Rolle. Verantwortlich dafür zeichnen die Macher von Platinum Games, die die Entwicklung des bereits 2009 von Konami angekündigten Titels vor zwei Jahren von dem Publisher übernahmen – nicht ohne jedoch weiterhin mit Schöpfer Kojima zusammenzuarbeiten.
Herausgekommen ist ein Spiel, das zwar im "Metal Gear"-Universum angesiedelt ist, sich jedoch ansonsten wie ein typisches Platinum-Game spielt. Wer "Bayonetta" oder "Vanquish" (siehe Infobox) kennt, weiß, was das bedeutet: Es geht schnell bis zuweilen hektisch zur Sache. Der Fokus liegt eindeutig auf der Action, die Story ist vernachlässigbar. Immerhin: Es gibt eine Story. Sie zu verstehen und ihr zu folgen dürfte all jenen, die sich schon bislang nicht für die "Metal Gear"-Reihe erwärmen konnten, angesichts ausufernder Zwischensequenzen voller abstruser Dialoge und ebensolcher Charaktere jedoch schwerfallen.
Wirrwarr um einen Cyborg-Ninja
Zweifelsfrei sagen lässt sich zumindest, dass Raiden im Mittelpunkt des Action-Wirrwarrs steht. Der erstmals in "Metal Gear Solid 2: Sons of Liberty" in Erscheinung getretene Cyborg-Ninja hat sich eine goldene Nase als Bodyguard für einen afrikanischen Präsidenten verdient, gerät mit diesem jedoch in einen Hinterhalt, und schon geht es rund. Zwar darf sich Raiden fortan gelegentlich auch leise von hinten seinen Gegnern nähern oder - quasi als Hommage - unter dem für die Serie bekannten Pappkarton verstecken, die überwiegende Zeit aber metzelt er sich frontal und direkt mit seinem Katana durch die mechanischen Gegner.
Das ist deutlich schwerer, als es zunächst aussehen mag - zum einen, weil der Schwierigkeitsgrad sehr, sehr hoch angesetzt ist, zum anderen, weil es auf das richtige Timing ankommt, um die Schwachstellen im Angriffsmuster des Gegenüber rechtzeitig zum eigenen Vorteil nutzen zu können. Von entscheidender Bedeutung ist hierbei der Blade-Modus. Er verlangsamt die Zeit und erlaubt es Raiden so, seine Feinde unter Zuhilfenahme der Analogsticks nach allen Regeln der Kunst in dünne Scheibchen zu schneiden - von Konami auch als 360-Grad-Klingensteuerung bezeichnet.
Schneiden will gelernt sein
Besser noch: Wer speziell markierte Bereiche des gegnerischen Körpers abtrennt, vollführt einen sogenannten Zandatsu-Move, der nicht nur den Feind auf Anhieb schachmatt setzt und Raidens Gesundheit wiederherstellt, sondern auch den Blade-Modus aufs Neue aktiviert, sodass das Metzeln von vorne beginnen kann. Trotz der Beschränkung auf wenige Knöpfe - einen für einen leichten und einen für einen schweren Angriff - und die Analogsticks, braucht es allerdings viel Geduld, Übung und Ausdauer, um das Schwert meisterlich zu beherrschen. Gleiches gilt für das Blockieren und Parieren von Angriffen.
Abzüge bei der Kameraführung
Als ob der hohe Schwierigkeitsgrad mitunter nicht schon frustrierend genug wäre, kommen weitere Störfaktoren dazu, die den Spielspaß trüben, allen voran die schlechte Kameraführung, die es dem Spieler vor allem in engeren Räumen über Gebühr erschwert, zu erahnen, aus welcher Richtung der Angriff kommt. Auch die Animationen der Gegner an sich geben darüber kaum Aufschluss, dabei wäre dieses Wissen über die Angriffsrichtung essentiell, um Raiden zwecks einer Parade rechtzeitig in die richtige Richtung zu lenken.
Über das Drumherum lässt sich indes streiten: Insbesondere in den vielen Zwischensequenzen hinterlässt der Titel im Test auf der Xbox 360 einen optisch angestaubten Eindruck. Auch sonst hätten die Umgebungen deutlich mehr Details vertragen können. Dem gegenüber stehen jedoch die grafisch imposanten Bosskämpfe, die den Spieler dank ungewöhnlicher Perspektiven, schneller Schnitte und Explosionen ein ums andere Mal vergessen lassen, wo oben und unten ist.
Fazit: "Metal Gear Rising: Revengeance" ist ein rasantes und forderndes Actionspektakel geworden, das dank imposanter Bosskämpfe und dem einzigartigen Kampfsystem durchaus seine gelungenen Momente hat. Den Charme der beiden Platinum-Titel "Bayonetta" und "Vanquish" oder auch des kürzlich erschienenen "DmC - Devil May Cry" vermag das Spiel jedoch nicht zu versprühen. Dafür mangelt es an Identifikationsmöglichkeiten mit dem Helden, einer spannenden Story sowie ernstzunehmenden Dialogen.
Plattform: Xbox 360 (getestet), PS3
Publisher: Konami
krone.at-Wertung: 7/10
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