Nach Italien-Wahl
Clown-Vergleich von SPD-Steinbrück ärgert Roncalli-Chef
Steinbrück (Bild 2) hatte am Dienstag bezüglich des Ausgangs der Parlamentswahlen in Italien bei einer SPD-Veranstaltung in Potsdam gesagt: "Bis zu einem gewissen Grad bin ich entsetzt, dass zwei Clowns gewonnen haben." Einer davon sei der Komiker Beppe Grillo (Bild 3), "ein beruflich tätiger Clown, der auch nichts dagegen hat, wenn man ihn so nennt". Der andere sei "definitiv ein Clown mit einem besonderen Testosteron-Schub". Damit bezog er sich auf Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi (Bild 4) und dessen Sex-Affären.
Beruf des Clowns "nicht vergleichbar mit 'Bunga Bunga'"
Paul erklärte nun der Nachrichtenagentur dpa, für das Publikum sei der Clown eine "tröstliche Figur". "Das ist ein Mensch, der in der Tradition der Commedia dell'arte die Menschen zum Lachen bringt, ohne sie dabei zu einem Opfer zu machen." Und es sei ein "pazifistischer Beruf" - denn wer lache, sei nicht mehr in der Lage, Böses zu tun. "Wie kann man das mit 'Bunga Bunga' vergleichen?", fragte der 65-jährige Zirkusdirektor. Unter dem Stichwort "Bunga Bunga" sind die Eskapaden Berlusconis bekannt geworden.
Napolitano sagte Treffen mit Steinbrück kurzerhand ab
Nach Steinbrücks Aussagen hatte Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano (Bild 5) ein geplantes Treffen mit dem SPD-Kandidaten kurzerhand abgesagt. Am Donnerstag meinte Napolitano dann gegenüber der "Bild"-Zeitung: "Peer Steinbrück hat mir am Telefon erklärt, dass er nicht beleidigend sein wollte. Aber ein Treffen war aus meiner Sicht nach den Äußerungen, die er gemacht hat, nicht mehr möglich."
"Es liegt natürlich auf der Hand, dass das nicht in Ordnung ist", sagte Napolitano. Jeder könne zwar denken, was er wolle. "Aber wenn man über gewisse Dinge spricht, die ein befreundetes Land betreffen und die das Ergebnis von freien Wahlen angeht, dann muss man wirklich sehr ausgewogen sein bei der eigenen Wortwahl." Steinbrücks Sager seien eine "bedauerliche Angelegenheit" gewesen.
Grillo-Reaktion: "Arrogant und politisch wenig intelligent"
Grillo bezeichnete in seinem Blog Steinbrück am Donnerstag als "arrogant und politisch wenig intelligent". "Er hat die Italiener, die für unsere Protestbewegung 'Fünf Sterne' stimmten, und die Italiener, die Berlusconis Partei 'Volk der Freiheit' wählten, in schwachköpfiger Weise behandelt." Steinbrück mangle es an unerlässlichen Fähigkeiten, die für das deutsche Kanzleramt nötig seien.
Auch die italienischen Medien reagierten mit Kritik auf die Attacke des SPD-Politikers und stellten sich dabei hinter Napolitano, der Respekt für Italien eingefordert hatte. "Rüpelhafte Sätze und reale Befürchtungen" konstatierte der rechtsliberale Mailänder "Corriere della Sera". Das angesehene Blatt sprach von Steinbrück als dem "deutschen König der Ausrutscher". Auch die liberale Turiner "La Stampa" begrüßte Napolitanos Haltung "im Namen der europäischen politischen Korrektheit" - der Staatschef habe "gut reagiert".
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