"Kein Konzept"

Bersani schließt große Koalition mit Berlusconi aus

Ausland
01.03.2013 08:28
Der Chef der italienischen Mitte-links-Allianz, Pierluigi Bersani (Bild), hat ausgeschlossen, dass er eine große Koalition mit dem Mitte-rechts-Block um Silvio Berlusconi eingehen wird. "Ich will es klar betonen: Es gibt kein Konzept einer großen Koalition, und es wird sie nie geben", versicherte Bersani im Interview mit der Tageszeitung "La Repubblica" am Freitag.

Bersani erklärte sich bereit, dem Parlament ein Reformprogramm aus acht Punkten vorzulegen, das er der Vertrauensfrage unterstellen könnte. Er gab zu, dass seine Allianz unter den Erwartungen bei den Parlamentswahlen abgeschnitten habe.

Bersani intern unter Druck
Der Mitte-links-Block um Bersani eroberte zwar als stärkstes Bündnis die absolute Mandatsmehrheit in der Abgeordnetenkammer, die Pattsituation im Senat, der unerwartet starke Wahlerfolg der Grillo-Truppe sowie des Mitte-rechts-Blocks um Berlusconi setzen Premierkandidat Bersani jedoch ziemlich unter Druck. Dieser hatte vor dem Urnengang am Sonntag und Montag mit einer klaren Mehrheit in beiden Parlamentskammern gerechnet.

Mehrere Schwergewichte in Bersanis Demokratischer Partei (PD) üben offen Kritik an seiner Wahlkampagne. "Wir haben im letzten Monat des Wahlkampfs vieles falsch gemacht. Unser Parteichef ist leider ein Mann des 19. Jahrhunderts", attackierte ihn etwa Ex-Premier Massimo D'Alema.

Parteigremium entscheidet über künftige Strategie
Um die Wahlergebnisse zu analysieren und die künftige Strategie in Hinblick auf die Regierungsverhandlungen zu besprechen, hat Bersani für den kommenden Dienstag eine Sitzung des Parteigremiums einberufen. Auch hier wird er scharfe Kritik seitens seiner internen Gegner hinnehmen müssen.

Diese behaupten, dass die PD wesentlich besser abgeschnitten hätte, wenn nicht Bersani, sondern sein junger Herausforderer bei den Vorwahlen im November, der Bürgermeister von Florenz, Matteo Renzi, die Wahlkampagne geführt hätte. Nicht ausgeschlossen ist, dass Bersani die Partei bis zu dem im kommenden Herbst geplanten PD-Kongress führen und dann das Handtuch werfen wird.

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