Fleischskandal

Auch Frankfurter Würstel aus Linz unter Verdacht

Österreich
28.02.2013 18:37
Nach den Kärntner Würsteln ist im europaweiten Pferdefleisch-Skandal nun auch das Linzer Unternehmen Landhof ins Visier der Ermittler geraten. Russischen Medienberichten zufolge seien in importierter Ware des oberösterreichischen Unternehmens Spuren von Pferdefleisch gefunden worden. Um Klarheit zu bekommen, forderte das Gesundheitsministerium von Russland Daten zu der Causa an. Landhof prüfte zudem selbst und teilte am Donnerstagnachmittag mit, dass in Würstel der Firma laut aktuellen Tests kein Pferdefleisch enthalten ist.

Landhof bestätigte, man sei am Mittwoch von den russischen Importeuren informiert worden, dass vom russischen Zoll Proben der Würstel gezogen worden seien. Über die Ergebnisse wisse man aber noch nichts. Das verwendete Fleisch stamme von sechs Schlachthöfen in Österreich und einem in Deutschland. Alle seien langjährige Geschäftspartner, zu denen man eine vertrauensvolle Beziehung aufgebaut habe, hieß es.

Landhof ließ Tests durchführen
Die Linzer Firma recherchierte zudem selbst und überprüfte die Fleisch-Chargen, die betroffen sein könnten. Aufgrund aktueller Testergebnisse schloss Landhof dann am Donnerstagnachmittag aus, "dass Pferdefleisch in unseren Produkten, die nach Russland geliefert wurden, enthalten ist". Die Liefer-Chargen der betreffenden Exporte seien von einem unabhängigen, akkreditierten Labor überprüft worden, gab das Unternehmen bekannt. Die Untersuchungsergebnisse seien russischen und österreichischen Behörden zur Verfügung gestellt worden.

Am Freitag sollen amtliche Proben bei der Linzer Firma gezogen werden, gab der oberösterreichische Konsumentenschutzlandesrat Rudi Anschober bekannt. Die negativen Ergebnisse seien "ein erster Schritt in Richtung Entwarnung, aber es geht um restlose Aufklärung", so Anschober.

Spur führte von Linz nach Russland
Bereits vor rund eineinhalb Wochen war nach Angaben russischer Behörden in einer Ladung mit mehr als 20 Tonnen Frankfurter Würstel aus Linz die DNA von Pferden und Geflügel sowie Soja gefunden worden. Wie die Würstel deklariert gewesen sind, dazu gibt es unterschiedliche Angaben. Manche Berichte sprechen von 100 Prozent Rind, andere von 80 Prozent Schwein und anderen nicht fleischlichen Komponenten.

Ein russischer Behördensprecher sagte, er schätze es als besonders problematisch ein, dass es unklar sei, ob möglicherweise alte oder kranke Tiere verarbeitet wurden. Das Fleisch soll vernichtet oder an den Lieferanten zurückgeschickt werden.

Von den heimischen Behörden hieß es, den Russen werde ein Schreiben gesandt, "mit der Aufforderung, Analyseergebnisse und ihre Informationen an das Gesundheitsministerium zu übermitteln", so Fabian Fußeis, Sprecher von Gesundheitsminister Alois Stöger. "Wir versuchen mit größtmöglichem Tempo Klarheit zu bekommen", betonte auch der oberösterreichische Konsumentenschutzlandesrat Rudi Anschober.

SPÖ-Maier: "Lebensmittelkontrolle völlig veraltet"
Hart ins Gericht mit der heimischen Lebensmittelkontrolle ging SPÖ-Konsumentenschutzsprecher Johann Maier. Diese sei noch auf eine "regionale Kreislaufwirtschaft" ausgerichtet und dementsprechend "völlig veraltet". Eine Neustrukturierung täte dringend Not, so Maier im Rahmen einer Pressekonferenz im Parlament.

Maier trat zudem für eine Eindämmung der "Gütesiegelflut" durch die Schaffung eines Gütezeichengesetzes ein. "Die Verbraucher fragen sich mit Recht, wer die vielen Gütesiegel eigentlich kontrolliert." Eine Antwort hatte der Konsumentenschützer nicht parat, denn im Grunde sei "das alles unkontrollierbar".

"Elektronische Reiseroute" für verarbeitete Lebensmittel
Das AMA-Gütesiegel sollte laut Maier bestehen bleiben, allerdings müsste es auf verarbeitete Lebensmittel erweitert werden. Eine Rückverfolgungsdatenbank, also quasi eine "elektronische Reiseroute" der Produkte, könnte dafür sorgen, dass "jeder Verarbeitungsschritt dokumentiert ist", so der SP-Konsumentenschutzsprecher. Eine EU-weite Herkunftskennzeichnung von verarbeiteten Lebensmitteln hatte zuvor auch Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich (ÖVP) gefordert (siehe Infbox).

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