Doch nicht frei?
Verwirrung um in Kamerun entführte Urlauberfamilie
"Das ist ein verrücktes Gerücht", sagte Informationsminister Issa Tchiroma Bakary. Wären die Geiseln frei, hätte die kamerunische Regierung dies bereits der französischen Regierung mitgeteilt, erklärte er. Wenige Stunden zuvor hatte ein Offizier der kamerunischen Armee der Nachrichtenagentur AFP gesagt, die Geiseln seien im Norden Nigerias verlassen in einem Haus aufgefunden worden. Der Familie mit vier Kindern gehe es gut.
Der französische Minister für Veteranen, Kader Arif, der zunächst in der Nationalversammlung die Freilassung der Geiseln verkündet hatte, relativierte seine Aussage kurze Zeit später. Es gebe derzeit "keine offizielle Bestätigung" der Freilassung. Auch das französische Außenministerium erklärte, die Freilassung könne "nicht bestätigt" werden. Ein Sprecher des Ministeriums warnte vor der Verbreitung von "verfrühten Informationen". Das Schicksal der Urlauberfamilie bleibt somit vorerst unklar.
Laut Frankreichs Präsident Francois Hollande werde die Familie aber wahrscheinlich in zwei unterschiedlichen Gruppen von ihren Kidnappern festgehalten. Die französische Regierung arbeite eng mit den Sicherheitsbehörden in Nigeria und Kamerun zusammen, um die Betroffenen zu finden. Vordringlich sei es, "zunächst den genauen Ort zu identifizieren, wo sie festgehalten werden, wahrscheinlich in zwei Gruppen", sagte Hollande am Donnerstagabend.
Familie nach Nigeria verschleppt
Es ist das erste Mal, dass westliche Touristen in Kamerun entführt wurden (im Bild das Fahrzeug der Familie). Die französische Familie mit vier Kindern war am Dienstag im Norden Kameruns offenbar bei ihrer Rückkehr vom Nationalpark Waza (Bild 2) an der Grenze zu Nigeria verschleppt worden. Die Franzosen dürften in dem Ort Dadanga von bewaffneten Entführern auf Motorrädern gekidnappt worden sein.
Laut den kamerunischen Sicherheitskräften hatten die Entführer dann mit ihren Geiseln, einem westlichen Diplomaten in der Region zufolge ein Elternpaar, seine fünf, acht, zehn und zwölf Jahre alten Kinder sowie ein Onkel, die nigerianische Grenze überquert.
Frankreich sieht Boko Haram hinter Entführung
Frankreichs Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian machte am Mittwoch die radikalislamistische Gruppe Boko Haram aus Nigeria für die Entführung verantwortlich. "Wir sind der Ansicht, dass die Gruppe Boko Haram die Entführung vorgenommen hat", sagte er im Fernsehsender France 2. Eine Verbindung zum französischen Militäreinsatz in Mali sei "derzeit" nicht gegeben. Die Methode sei aber mit jener von islamistischen Gruppen in Mali, Somalia oder Nigeria vergleichbar.
Frankreichs Präsident Francois Hollande hatte bereits am Dienstag Boko Haram als möglichen Drahtzieher der Entführung genannt. Und auch die Sicherheitskräfte in Kamerun hatten von Anfang an einen "starken Verdacht" gegen Boko Haram. Die islamistische Gruppe, die mit Gewalt für die Errichtung eines islamischen Staats im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias kämpft, wird für Hunderte Tote im Norden und im Zentrum des Landes verantwortlich gemacht.







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