Mit Spannung erwartet wurde im Wiener Burgtheater die erste Produktion unter dem neuen Direktor Stefan Bachmann. Die deutsche Regisseurin Karin Henkel inszenierte den Shakespeare-Klassiker „Hamlet“ – wobei fünf Schauspieler in die Rolle des Dänenprinzen schlüpfen: ein welker Zitatesalat mit krawallkomischen Einlagen!
Vermutlich hatte der neue Burgtheaterdirektor, der freundliche Schweizer Stefan Bachmann, zum Einstand etwas anderes beabsichtigt: Der Publikumskracher „Hamlet“ mit dem Ifflandring-Träger Jens Harzer in der Titelrolle und der Zeitgeist-Primadonna Karin Henkel am Regiepult, das wäre großes Schauspielertheater und postdramatische Stückzertrümmerung in einem gewesen.
Es blieben die Trümmer: Die Titelrolle ist auf fünf Personen verteilt und Harzer nach der ersten Leseprobe ausgestiegen. Was man auf dunkelglühender, attraktiver Bühne (Katrin Brack) sieht, ist ein welker Zitatesalat mit verteilten Rollen, theatertheoretischen Platitüden und krawallkomischen Einlagen, die unglücklich aus der Komödiantenszene generiert wurden.
Erkennbar war da jemand von den eigenen Eingebungen, vom Vorausrauschen des Beifalls aus der Feuilletonblase dermaßen beschwipst, dass selbst in den überschaubaren zweidreiviertel Stunden der Weg verlorenging. Den stärksten Eindruck hinterlassen Katharina Lorenz und Michael Maertens, der allerdings auf den Kasper zurückgeworfen wird, der er längst nicht mehr ist. Vom ererbten Ensemble interessiert Marie-Luise Stockinger mehr als Tim Werths, die Zugänge präsentieren sich unauffällig (Alexander Angeletta), überambitioniert (Benny Claessens) beziehungsweise penetrant (Kate Strong).
Zusammengefasst hätte ein Hamlet, dafür ein erstrangiger, genügt. Die Hoffnung auf markante Steigerung innerhalb des lawinösen Premierenaufkommens der nächsten Tage lebt auf jeden Fall.
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