Das Montur-Depot in der Wiener Hofburg ist in Gefahr. Es soll einer Sicherheitszentrale für die Präsidentschaftskanzlei weichen. Der Denkmalbeirat protestiert jetzt scharf. „Hofburg-Bewohner“ Alexander van der Bellen kennt die Pläne – will sie aber nicht kommentieren.
„Es ist wie bei einer Einbauküche. Eine Verlagerung ist ohne Zerstörung nicht möglich“, sagt Andreas Nierhaus, Mitglied des Denkmalbeirats. Wie die „Krone“ berichtete, soll ins denkmalgeschützte Montur-Depot, die einstige Garderobe der Hofburg-Dienerschaft, eine Sicherheitszentrale für die Präsidentschaftskanzlei gebaut werden. Damit droht die Vernichtung des weltweit singulären Ensembles.
Selbst eine angedachte Verlagerung käme der Zerstörung gleich. Der Denkmalbeirat wendet sich im soeben veröffentlichten Bericht „entschieden gegen jede Art der Zerstörung, Zerteilung oder Transferierung dieses bedeutenden Denkmals und fordert alle beteiligten Institutionen und Stellen dazu auf, eine bauliche und funktionale Lösung zu finden, die den Bestand des Ensembles vor Ort sicherstellt.“
Monica Kurzel-Runtscheiner, Direktorin von Wagenburg und Montur-Depot des KHM, die ihre Bestände aus dem Depot räumen muss, sagte auf orf.at: „Der Raum ist das letzte Zeugnis der Tätigkeit der Dienenden, der arbeitenden Menschen in der Hofburg, er hat zwei Weltkriege und den Zusammenbruch der Monarchie überstanden und soll nun wegen einer Maßnahme weichen, die man anders hätte setzen können.“
Günter Dinhobl, Präsident des Österreichischen Denkmalrats für das kulturelle Erbe von Industrie und Technik, ist empört: „Der Inneneinrichtung wurde besondere Beachtung geschenkt, stammte doch die Stahlkonstruktion von der berühmten Fa. Gridl, die Tischlerarbeiten von der Firma Jaray und die Fliesenausstattung von Villeroy & Boch.“
In der Präsidentschaftskanzlei bestätigt man, dass der Bundespräsident das Projekt kennt – aber nicht kommentiert. Man sei „nur Mieter“, verweist man auf die verantwortliche Burghauptmannschaft. Dort wartet man, bis das KHM geräumt hat, um mit der Planung zu beginnen. Metallrestauratoren wurden aber bereits um ein Gutachten zur Demontage gebeten.
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