Im graubraunen Hosenanzug, freundlich lächelnd, trat Christine de Castelbajac, 66-jährige Tochter und Erbin des Industriellen Herbert Turnauer, am fünften Prozesstag in den Zeugenstand. Im Zuge der Immofinanz-Affäre hatte sie einen Großteil ihres Vermögens verloren. Seit 1999 saß sie, die ihren Beruf mit "Hausfrau und Fotografin" angibt, selbst im Aufsichtsrat der CPB. Dass deren Manager Petrikovics und Norbert Gertner sowie Aufsichtsrat Helmut Schwager, denen sie vertraute, Optionen auf Aktien bekommen haben, habe sie "erst jetzt, im Rahmen des Strafverfahrens" erfahren.
Sie habe das "weder geahnt noch gebilligt". Wenn das ein Thema gewesen wäre, hätte man es im Aufsichtsrat besprechen müssen. Auf eine entsprechende Frage habe Petrikovics geantwortet, die Optionen seien "für einen Kunden", in Wahrheit aber waren sie für ihn und die beiden weiteren nun Angeklagten.
Plötzlich Millionenverlust in der Bilanz aufgetaucht
Aufgetaucht ist die ganze Sache, weil die Bilanz der Constantia Bank auf einmal sieben Millionen Euro Verlust auswies, der aus diesen Geschäften stammte. Die Beschuldigten vertreten nach wie vor den Standpunkt, dass die umstrittenen Optionen, die ihnen am Ende 20 Millionen Euro Gewinn einbrachten, von der Immoeast angeblich genehmigt wurden. Das sollen nun weitere Zeugeneinvernahmen klären.
Dass Petrikovics neben dem Aufsichtsrat auch die Finanzmarktaufsicht angelogen hatte, demonstrierte eine Prüferin der FMA. "Es ist uns aufgefallen, dass 2007 eine große Anzahl von Immoeast-Aktien über die Bank veräußert wurden. Das hat uns interessiert", so die Zeugin. Die Antwort der Bank, es hätten drei Gesellschaften aus Liechtenstein Aktien erworben, habe sich im Nachhinein als unwahr herausgestellt.
"Nebentätigkeiten" ebenfalls ein Thema vor Gericht
Die personellen Verflechtungen im Konzern - Petrikovics war Vorstand sowohl der CPB als auch der Immofinanz und Immoeast - seien von der FMA regelmäßig thematisiert worden. Ihnen sei gesagt worden, dass der Bankvorstand die anderen Funktionen nur als "Nebentätigkeit" ausübe. Das Bankwesengesetz lasse solche Nebentätigkeiten aber nur innerhalb des Bankbereiches zu, in der Immofinanz wären sie nicht zulässig gewesen. "Dass Petrikovics 200 Tage im Jahr bei der Immofinanz unterwegs war, hätte gemeldet werden müssen", so die Zeugin. Petrikovics hätte in diesem Falle nicht mehr der Bankvorstand sein können.
Auch ein Prüfer der Nationalbank hatte Belastendes zu berichten. Ein Bericht über die CPB habe Verstöße gegen das Bankwesengesetz aufgezeigt. Außerdem sei die Nationalbank bei diversen Finanzgeschäften angelogen worden. Auch in diesem Fall sei von einem Kunden, für den die Geschäfte getätigt worden wären, die Rede gewesen.
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