Reuters liegen Berichte vor, wonach die Sicherheitsstandards für Boeings Prestigeflugzeug vor der Erstauslieferung nach Japan erheblich gesenkt worden seien. Ein Beratergremium des japanischen Verkehrsministeriums soll sich im Vorjahr für diesen Schritt eingesetzt haben. Die Großkunden All Nippon Airways (ANA) und Japan Airlines (JAL) sollen Druck ausgeübt haben, um möglichst rasch an die Maschinen des Typs Boeing 787 zu kommen. Die Fluggesellschaften haben etwa die Hälfte aller 50 ausgelieferten Dreamliner in ihrer Flotte.
"Ich glaube, dass die anfänglichen Anfragen für Änderungen von den Fluggesellschaften kamen. Letztlich war es eine Diskussion, um die operativen Kosten für die Fluglinien zu senken", erklärte der Berater Masatoshi Harigae die Vorgänge im japanischen Verkehrsministerium. Er hatte sich für die Lockerung der Sicherheitsbestimmungen eingesetzt.
Abgesehen von den Airlines sind auch Zulieferfirmen in Japan stark in das Boeing-Projekt eingebunden: Der Beitrag der japanischen Industrie zur Dreamliner-Produktion reiche vom Karbon in den Flügeln über die Elektronik bis zu den Batterien, die nach der jüngsten Pannenserie im Blickpunkt stehen. Insgesamt 35 Prozent der Dreamliner-Bauteile werden laut dem Bericht von japanischen Firmen geliefert.
Flugstopp nach Pannen mit Batterie
Der Dreamliner bleibt derzeit auf Anordnung mehrerer Flugbehörden auf unbestimmte Zeit am Boden (siehe Infobox). Erst am vergangenen Wochenende hatte die ANA alle geplanten Dreamliner-Flüge bis zum 18. Februar gestrichen. Die Ermittlungen nach den Zwischenfällen hätten laut Agenturberichten noch immer keine Erklärung geliefert, warum die Batterien Feuer fangen können. Man habe bei den Prüfungen "keine offensichtlichen Normabweichungen" entdeckt, weitere detaillierte Tests seien nötig, so die Untersuchungsbehörde NTSB.
Der schwerste Zwischenfall hatte sich Anfang Jänner ereignet: Die Explosion einer Batterie einer geparkten JAL-787 am Flughafen in Boston hatte einen Brand ausgelöst. Daraufhin hatte die US-Luftverkehrsbehörde FAA ein Startverbot für alle Dreamliner in den USA angeordnet, bis die Ursachen für die Batterieprobleme geklärt sind. Der Brand hatte sich in eine Serie von Pannen eingereiht, die alle mit Batteriedefekten zu tun hatten.
Enge Verflechtung zwischen Boeing und Zulieferern
Die nun aufgedeckte Lockerung der Sicherheitsstandards in Japan habe laut Reuters nicht zu den Problemen geführt. Allerdings zeigten die Vorgänge, wie eng die wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen Boeing und seinen japanischen Zulieferern seien, berichtete die Agentur. Die betroffenen Fluggesellschaftgen ANA und JAL wollten sich am Montag zu den Enthüllungen nicht äußern. Boeing hat die Auslieferung der Maschinen gestoppt, die Produktion wird jedoch fortgesetzt.
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