Bereits die PC-Hersteller und der Chipriese Intel hatten geklagt, das System habe im Weihnachtsgeschäft nicht wie seine Vorgänger den Absatz angekurbelt. Die Verkaufszahlen von herkömmlichen PCs gehen zurück. Vor allem Verbraucher greifen verstärkt zu Tablets. Auf die ist Windows 8 zwar explizit zugeschnitten, der Markt wird aber von Apple und Google dominiert. Aus den Absatzzahlen seines eigenen Tablet-Modells Surface macht Microsoft ein Geheimnis. Finanzchef Peter Klein sagte nur, sein Haus weite Produktion und Vertrieb des Geräts aus.
Office-Nachfrage schwächelte
Der weltgrößte Softwareanbieter hat zudem mit einer schwächelnden Nachfrage nach seiner einträglichen Büro-Software Office zu kämpfen. Der Gesamtumsatz kletterte zwar im abgelaufenen Quartal um drei Prozent auf 21,5 Milliarden Dollar (16,1 Milliarden Euro), der Konzerngewinn schrumpfte indes aber binnen Jahresfrist um 200 Millionen Dollar auf 6,4 Milliarden Dollar. Börsianer reagierten enttäuscht: "Es gibt immer noch keine Anzeichen, dass Windows 8 ein Riesenerfolg ist", sagte Analyst Andrew Bartels von Forrester Research. "Verglichen mit früheren Zeiten, als es starke Zuwächse gab, wenn ein neues Betriebssystem herauskam, lässt sich das diesmal nicht feststellen."
Immerhin steigerte die Betriebssystem-Sparte im Berichtsquartal ihre Einnahmen um ein Viertel auf 5,9 Milliarden Dollar - ein wenig mehr als von Analysten erwartet. Doch die Office-Sparte schrumpfte um zehn Prozent auf 5,7 Milliarden Dollar. Das Management führte dies auf die Zurückhaltung der Kunden vor Einführung des neuen Office am 29. Jänner zurück. Analyst Josh Olson von Edward Jones sagte dazu: "Das ist eine Pause vor einer Produkteinführung, die typisch ist."
"PC-Markt noch nicht tot"
Microsoft gibt die Hoffnung auf einen durchschlagenden Windows-Erfolg noch nicht auf. "Die Nachfrage ist bei einigen wichtigen Geräten höher als das Angebot", sagte die Finanzchefin der Windows-Sparte, Tami Reller, Anfang Jänner. "Die besten Chancen liegen noch vor uns." Analysten haben sich bereits auf einen langsamen Marktstart von Windows 8 eingestellt. "Es gab einen Dämpfer, aber der PC-Markt ist bei weitem nicht tot", sagte Collin Gillis von BGC Financial. "Selbst wenn sie nur minimalen Erfolg mit Surface haben, reicht das für einen nennenswerten Effekt."
Spekulationen über Einstieg bei Dell
Bisher wagte sich Microsoft nur zögerlich ins Hardware-Geschäft und bietet im Wesentlichen nur seine Xbox-Spielkonsole und Surface unter dem eigenen Markennamen an. Allerdings könnten die Amerikaner womöglich einen breiteren Einstieg riskieren. In einem Medienbericht hatte es vor kurzem geheißen, dass sich Microsoft an einer Übernahme des PC-Herstellers Dell beteiligen wolle. Der Softwareriese könnte eine bis drei Milliarden Dollar zur Finanzierung beisteuern, hatte der US-Fernsehsender CNBC am Dienstag unter Berufung auf nicht näher genannte Kreise berichtet.
Der drittgrößte PC-Hersteller der Welt, der an der Börse mit rund 22 Milliarden Dollar bewertet wird, sondiert derzeit eine Übernahme des Unternehmens durch Finanzinvestoren. Sollte dies gelingen, wäre es eine der größten Private-Equity-Transaktion seit der Finanzkrise.
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