Teil vier der „Krone“-Serie über steirische Regionalmuseen: Im Murauer Handwerksmuseum finden sich die Geräte der ersten Landärztin des Bezirks. Sie erzählen unter anderem vom langen Weg zur Gleichberechtigung.
„Sie musste sich durchkämpfen“, sagt Uli Vonbank-Schedler vom Murauer Handwerksmuseum über Erika Walland-Zwicknagel. Als erste weibliche Ärztin war sie ab den 1940er-Jahren im Bezirk tätig: „Den männlichen Kollegen im Bezirk hat das gar nicht gepasst. Sie wurde diffamiert und schlechtgemacht. Aber sie hat das durchgezogen, weil die Medizin ihre Berufung war.“
Dabei war der Job als Landärztin damals alles andere als leicht: „Am Anfang war sie mit dem Pferd unterwegs zu ihren Hausbesuchen, später mit dem Fahrrad. Manche Täler im Bezirk hatten bis in die frühen 1960er hinein keinen Strom und kein laufendes Wasser“, weiß Vonbank-Schedler. Nicht die besten Voraussetzungen, um vor Ort von Geburten bis zu kleinen Operationen alles zu erledigen.
Umso wichtiger waren daher die medizinischen Geräte, die sie stets mit sich hatte. „Ihr Sohn, der bis vor ein paar Jahren selbst als Arzt tätig war, hat sie dem Museum übergeben.“ Er konnte auch viele Geschichten erzählen, wie er seine Mutter im ganzen Bezirk zu Patienten begleitet hat. „Vor allem die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg war sehr herausfordernd. Es gab kaum Medikamente.“
Dass die Gerätschaften von Walland nun im Murauer Handwerksmuseum eine neue Heimat gefunden haben, ist auf den ersten Blick ein wenig überraschend, aber eigentlich passend: „Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren Berufe, wie jener des Chirurgen, ein Lehrberuf, also ein Handwerk. Im Bezirk Murau etwa trat erst im Jahr 1910 der erste universitär ausgebildete Allgemeinmediziner seinen Dienst an“, weiß Vonbank-Schedler.
Im Handwerksmuseum hat sie gemeinsam mit Thomas Felfer eine eigene Sonderausstellung zur Medizingeschichte des Bezirks Murau kuratiert. Die Arbeitsgeräte von Erika Walland sind aktuell in der Schau „Wer bist du, Steiermark?“ im Grazer Volkskundemuseum zu sehen.
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