Verbot aufgehoben

US-Frauen sollen an vorderster Front kämpfen dürfen

Ausland
24.01.2013 18:48
Frauen sollen in der US-Armee künftig an vorderster Front kämpfen dürfen. Verteidigungsminister Leon Panetta hat am Donnerstag den generellen Ausschluss von Soldatinnen vom Kampfgeschehen aufgehoben. Bis 2016 werde die Armee nun neue Regeln erarbeiten, hieß es aus dem Pentagon. Demokratische Politiker begrüßten den Plan als sinnvolle Anpassung des Militärs an die heutige Zeit.

Die bisherigen Vorschriften dienten dazu, Frauen möglichst hinter der Front zu stationieren und aus Gefechten herauszuhalten. Soldatinnen durften bisher zwar in kämpfenden Truppenteilen dienen, selbst aber nicht am Kampfgeschehen teilnehmen. Das soll sich nach dem Willen von Panetta in den kommenden Jahren ändern.

Frauen hätten in der US-Armee "großen Mut" gezeigt, sagte der Verteidigungsminister am Donnerstag. Sie hätten ihre Fähigkeit unter Beweis gestellt, in "einer wachsenden Zahl von Positionen" dienen zu können. Nach einer "ausgiebigen Untersuchung" hätten sich ranghohe Militärs nun einstimmig dafür ausgesprochen, Soldatinnen "so weit wie möglich" in die Kampftruppen aufzunehmen.

Durch die Neuregelung würden Hunderttausende Jobs auch für Frauen möglich sein, zitierte die "New York Times" Regierungsmitarbeiter. Demnach werde es aber auch künftig noch Ausnahmen geben. So dürfe das Militär bei jeder Arbeit prüfen, ob sie grundsätzlich für Frauen geeignet sei.

"Gleiche Chance wie Kampfgefährten"
In ersten Reaktionen wurde die Neuregelung begrüßt. Die Öffnung werde dafür sorgen, "dass qualifizierte Frauen die gleiche Chance haben, sich im Kampfgeschehen hervorzutun, wie ihre männlichen Kampfgefährten", lobte etwa Ariela Migdal von der Amerikanischen Bürgerrechtsunion.

Auch mehrere demokratische Politiker begrüßten die Reformpläne. Panettas Entscheidung spiegele die Realität von Militäreinsätzen im 21. Jahrhundert wider, sagte Senator Chuck Levin, Vorsitzender des Verteidigungsausschusses im Senat. Auch Senator Mark Warner erklärte, es sei richtig, die Realitäten der heutigen Militäreinsätze anzuerkennen.

Die demokratische Abgeordnete und Ex-Soldatin Tammy Duckworth, die bei einem Einsatz als Hubschrauberpilotin im Irak beide Beine verloren hatte, schrieb auf Twitter: "Die Töchter Amerikas können die Freiheit ebenso gut verteidigen wie die Söhne."

Konservative äußern Zweifel an Öffnung
Konservative Beobachter hingegen haben Zweifel daran angemeldet, dass Mütter, insbesondere alleinerziehende, ins Kampfgeschehen geschickt werden sollten - selbst wenn sie sich freiwillig dafür melden.

Die Öffnung für Frauen in Kampfeinsätzen ersetzt eine Regelung aus dem Jahr 1994, laut der Soldatinnen von vielen Positionen in Infanterie und Artillerie ausschlossen waren. Nach Angaben der "New York Times" dienten etwa im Irak und in Afghanistan rund 20.000 US-Soldatinnen. Bis zum Ende des vergangenen Jahres kamen 130 von ihnen ums Leben, rund 800 wurden verletzt.

Seit dem Umbau des US-Militärs zur Freiwilligenarmee hat laut dem PEW Research Center die Zahl der Frauen im Militärdienst massiv zugenommen. Von rund 42.000 im Jahr 1973 vervierfachte sich ihre Zahl auf über 167.000 im Jahr 2010. Die Zahl der aktiven Mitglieder im Militär sank gleichzeitig von rund 1,9 Millionen auf 1,2 Millionen.

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