Dass er den Ruf eines "Sonnengottes" gehabt habe, wie in einer Aussage im Ermittlungsverfahren ausgesagt wurde, verstehe er nicht, sagte Petrikovics am zweiten Verhandlungstag. "Sie waren der absolute Chef?", fragte ihn Richterin Claudia Moravec-Loidolt. "Siege haben viele Väter, die Niederlagen trägt man allein", antwortete der Ex-CPB-Chef gelassen. Er war als Firmen-Chef an den maßgeblichen Abläufen beteiligt, dass "ist ja wohl meine Aufgabe".
Petrikovics habe "mehr oder weniger allein" die Entscheidungen getroffen, erklärte auch der ehemalige Vize-Aufsichtsratchef der CPB und Mitangeklagte Helmut Schwager am Mittwoch. Wie das in der Praxis funktioniere, dass man so viele Firmen zugleich führen kann, wollte die Richterin dann von Petrikovics wissen.
Firmengeflecht, um Bankkunden Steuern zu sparen
Dieser erklärte, es sei bei Immobilien üblich, für jedes Projekt eine eigene Firma zu gründen. Bei der Constantia Privatbank hingegen hatte die Zwischenschaltung von Holdings und zwei Schweizer Stiftungen (die der Familie Turnauer gehörten, die damals auch die Bank besaß, Anm.) den Sinn, dass die Bank direkt nur 19 Prozent an den vielen "Leintuchgesellschaften" hielt. Daher brauchte sie kein höheres Eigenkapital, was bei Mehrheitsbeteiligungen erforderlich gewesen wäre. Viele dieser Firmen dienten nur dazu, den Bankkunden Steuern zu sparen.
Nur ein Steuersparmodell oder Konstrukte, um gewisse Geldflüsse zu verschleiern? Das soll im Verlauf des Prozesses herausgefunden werden. Petrikovics jedenfalls will nie Bedenken gehabt haben, dass bei dieser Konstruktion und seinen vielen Funktionen etwas nicht in Ordnung gewesen sei. "18 Jahre hat das niemanden gestört", so der Angeklagte.
"Bank jede Menge an Schäden erspart"
Zu seinen Erfolgsbeteiligungen zählte auch das Recht, sich 2003 mit 3 Prozent an der Immoeast beteiligen zu können. Das wurde über einen Kredit der Immofinanz finanziert. Weil die Nachfrage nach Aktien aber so hoch war, wählte man "Optionen", die jetzt Gegenstand des Untreue-Vorwurfes sind. Petrikovics erklärte das komplizierte Hin-und-her-Schieben von Geldern damit, dass man sonst der Bank einen Schaden zugefügt hätte - er jedoch habe der Bank "jede Menge an Schäden erspart".
Der Prozess wird am Donnerstag mit der weiteren Befragung von Petrikovics fortgesetzt.
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.