Der steirische Landeshauptmann-Stellvertreter und SPÖ-Vorsitzende Anton Lang im „Krone“-Interview über Sozialhilfe-Auswüchse in Wien, Andreas Babler und Umfragen.
„Krone“: Stolze 4600 Euro Sozialhilfe für eine neunköpfige syrische Familie in Wien: Finden Sie das gerecht?
Anton Lang: Ich verstehe jeden, der sagt, so etwas ist nicht gerecht. Daher halte ich die Debatte, die man jetzt führt, für richtig und wichtig. Man muss darüber diskutieren, wie man einen Weg findet, die Sozialhilfe über alle Bundesländer hinweg anzugleichen. Derzeit gibt es einen Unterschied von bis zu 1000 Euro. Wir haben uns in der Steiermark für einen anderen Weg entschieden als Wien, und das ist gut so.
Was sagen Sie einem Arbeiter, der von diesem hohen arbeitslosen Einkommen liest und selbst jeden Euro zweimal umdrehen muss, bevor er ihn ausgibt?
Einem Arbeiter so etwas zu erklären, wird natürlich schwierig. Ich würde ihm sagen, dass alle, die bei uns leben, ein Dach über dem Kopf haben müssen, nicht hungern dürfen und sozial abgesichert sein müssen. Aber ja, dieser Betrag ist zu hoch.
SPÖ-Stadtrat Peter Hacker meint lapidar, er wolle nicht, dass in Wien jemand Existenzängste haben muss. Sind seine Aussagen hilfreich?
Hilfreich sind solche Aussagen sicher nicht, aber es steht mir nicht zu, dem Stadtrat etwas über die Zeitung auszurichten. Das muss die SPÖ Wien selbst entscheiden.
Lohnt sich angesichts solch hoher finanzieller Unterstützung Arbeit überhaupt noch?
Wenn man so viel Geld bekommt, ist es leichter zu sagen, ich muss nicht jede Arbeit annehmen. Das Sozialsystem muss so aufgesetzt sein, dass sich Arbeiten auch auszahlt. Aber es geht nicht nur ums Geld, Arbeiten ist auch wichtig für die Persönlichkeit und die soziale Teilhabe.
Welches Signal wird da an Arbeitslose ausgesendet?
Wir müssen so rasch wie möglich alle, die in Arbeitslosigkeit geschlittert sind, wieder in den Arbeitsmarkt integrieren. Dafür muss aber genug Anreiz da sein. Daher wäre eine bundeseinheitliche Sozialhilfe-Lösung so wichtig.
Die Umfragen auf Bundesebene sind für Andreas Babler alles andere als rosig. Schon wird über seine Ablöse debattiert. Ist er der Richtige für die SPÖ?
An der Debatte beteilige ich mich nicht. Andreas Babler ist unser Bundesvorsitzender, er tourt aktuell durch Österreich. Aber es gibt Luft nach oben.
Die Landtagswahl-Umfragen sind auch für die steirische SPÖ nicht gerade berauschend. Haben Sie noch eine Chance auf die Nummer eins?
Ich bin nach wie vor optimistisch, dass wir als Erste durchs Ziel gehen, derzeit liegen drei Parteien gleichauf. Ich stehe für ehrliche Politik und solide Arbeit ohne Wahlzuckerln. Ein Anton Lang wird sich nicht verändern.
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