Jordanien
Verhältnisse für syrische Flüchtlinge “katastrophal”
Vergangene Woche habe es in Strömen geregnet, das gesamte Lager sei überschwemmt gewesen, und die Zelte der Flüchtlinge seien in Schlamm und Wasser gestanden, schilderte die Frau der APA. Schneestürme seien auf den Regen gefolgt und durch das Lager gefegt. "Drei Kinder sind bereits an Kälte gestorben und durch die verteilten, leicht entzündlichen Gasheizungen brennt wöchentlich etwas", fuhr sie fort. "Jede Woche verbrennt jemand. Letzte Woche war es eine Familie, davor ein kleines Mädchen."
Korruption bestimme das Lagerleben, beklagte sie. "Du brauchst viel Geld, um gescheit zu überleben." Die Versorgung im Lager beschrieb sie mit den Worten "zu viel zum Sterben, zu wenig zum Leben". Geschickte Händler seien im Laufe der vergangenen Monate durch ihre Geschäfte auf den Marktplätzen im Lager reich geworden. Das Lager dürfe man nur mit einer Bürgschaft einer Person außerhalb des Lagers oder gegen teure Bezahlung verlassen: Liegt Beispielsweise ein Angehöriger in einem Spital zur Behandlung, und man möchte ihn besuchen, müsse man mit einem Ausgangsgeld in Höhe von etwa 50-100 jordanischen Dinar (rund 53-105 Euro) rechnen - für viele der Flüchtlinge nicht leistbar.
"Palästinenser werden nicht über die Grenze nach Jordanien gelassen. Auch dann nicht, wenn sie inmitten von Bombenangriffen und Feuergefechten sind", erzählte die Frau. Zusätzlich dazu habe man gehört, dass Israel einen Mauerbau zur Abwehr von Flüchtlingen entlang der Grenze zu Syrien plane. Für Palästinenser südlich von Damaskus gebe es also derzeit kaum Wege zur Flucht in den Süden.
Die bevorstehenden Parlamentswahlen betreffend, beklagten viele Jordanier das Fehlen von richtigen Inhalten bei Wahlprogrammen. "Ein typisches Programm lautet in etwa 'Ja zu Reformen, Nein zu Korruption'", sagte die Frau. Zusätzlich dazu werde ein Wahlverhalten erwartet, dass eher die tribale, jordanische Gesellschaft wiederspiegle: "Die Leute werden nicht das Programm, das ihnen gefällt, wählen", so die Frau, "sondern die Personen, denen sie verwandtschaftlich nahe stehen." In Jordanien brodle es: "Das Land leidet unter ökonomischen Problemen, die Inflationsrate ist sehr hoch, die Korruption ist ein riesiges Problem und die Oberschicht lebt völlig abgeschottet."
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