Sehr gut vorbereitet

D: Bankräuber entkommen durch 45-Meter-Tunnel

Ausland
16.01.2013 08:41
Neue Details gibt es zu dem spektakulären Bankraub, der am Montag in Berlin stattfand. Die noch unbekannten Täter verschafften sich durch einen - wie sich Dienstagnachmittag herausstellte - nicht nur 30, sondern sogar 45 Meter langen Tunnel, den sie vorher gegraben hatten, Zugang ins Innere des Tresorraums einer Volksbank-Filiale. Die Kriminellen leerten rund 200 der 1.600 Schließfächer und entkamen mit Wertsachen in unbekannter Höhe durch den Tunnel, der in einer Tiefgarage beginnt.

Entdeckt wurde der Einbruch am Montagmorgen von der Feuerwehr. Das Löschkommando war kurz nach 6 Uhr früh von einem Anrainer alarmiert worden, der Qualm aus der Garage bemerkt hatte. Nach derzeitigen Erkenntnissen wurde das Feuer vorsätzlich gelegt, um möglicherweise Spuren zu verwischen.

Das dürfte allerdings nicht ganz gelungen sein, wie sich am Dienstag herausstellte. "Man kann trotzdem DNA-Spuren und Fingerabdrücke finden", so Polizeisprecher Thomas Neuendorf. Durch das Feuer wurde niemand verletzt. Der Tunnel sei jedenfalls "sehr professionell" angelegt worden. "Es hat wohl eine Weile gedauert, ihn zu graben." 

Parkbox schon vor einem Jahr gemietet
Wie lange die Vorbereitungen gedauert haben dürften, ist noch nicht klar. Der Tunnel selbst dürfte in wochenlanger Feinarbeit gebaut worden sein, die Parkbox in der Tiefgarage allerdings, von der der Tunnel wegführt, wurde Neuendorf zufolge vor etwa einem Jahr mit gefälschten Personalpapieren aus den Niederlanden gemietet. "Die Täter haben sich Zeit gelassen", so der Sprecher laut "Spiegel Online".

Entdeckt wurden die Täter wahrscheinlich deshalb nicht, weil es in der Tiefgarage mehrere durch Rolltore abgegrenzte Bereiche gibt. Solange diese geschlossen waren, konnte niemand die "Bauarbeiten" wahrnehmen. Auch dass die Bank an einer dicht befahrenen Straße liegt, hat den Räubern in die Hände gespielt - so bekam auch nachts oder an den Wochenenden niemand die durch das Graben verursachten Geräusche mit.

Vermutlich 200 Schließfächer ausgeräumt
Die Polizei spricht von einer "sehr professionellen" Arbeit. Laut der "Berliner Zeitung" mussten für den Coup zwei schwere Betonwände mit Stahlverhärtung durchbrochen werden. Das angefallene Schuttmaterial sei entfernt worden - auch davon hat niemand etwas mitbekommen.

Derzeit sind die Tiefgarage und die angrenzende Umgebung polizeilich gesperrt. Anrainer werden befragt und Spuren gesichert. Außerdem wird überprüft, ob Überwachungskameras die Tat gefilmt haben.

Auch der Bank selbst ist noch nicht klar, welche der 1.600 Schließfächer von dem Raub betroffen sind. Derzeit geht man davon aus, dass es sich um rund 200 Depots handelt. Da allein den Kunden bekannt ist, was sich in den Schließfächern befand, wird es noch eine Zeitlang dauern, bis feststeht, wie hoch die Beute war. 

Spektakulärer Coup im Jahr 1995 ebenfalls über Tunnel
Der Bankraub erinnert an einen ähnlich aufsehenerregenden Fall in Berlin im Jahr 1995. Damals überfielen fünf Täter eine Filiale der Commerzbank. Sie nahmen 16 Geiseln. Mit insgesamt fünf Millionen D-Mark Lösegeld und mit einem zweistelligen Millionenbetrag, den sie aus den Schließfächern erbeutet hatten, entkamen die Täter schließlich über einen selbst gegrabenen Tunnel.

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