Blutbad in Pakistan

Sunniten nehmen Schiiten ins Visier: Über 120 Tote

Ausland
11.01.2013 09:29
Bei einer Serie von Anschlägen in Pakistan sind am Donnerstag mindestens 120 Menschen getötet und mehr als 230 weitere Personen verletzt worden. Besonders schlimm traf es die Provinzhauptstadt Quetta im Südwesten des Landes, wo sunnitische Selbstmordattentäter einen Doppelanschlag auf die schiitische Minderheit verübten.

Zunächst explodierte in der Hauptstadt der Provinz Belutschistan nahe der Grenze zu Afghanistan ein Sprengsatz auf einem zentralen Platz. Örtlichen Medien zufolge detonierte die Bombe in der Nähe eines paramilitärischen Kontrollpostens.

Extremistengruppe schickte Selbstmordattentäter los
Später wurde ein Billardzentrum in Quetta von zwei kurz aufeinanderfolgenden Explosionen erschüttert. Zu diesen Selbstmordanschlägen bekannte sich eine sunnitische Extremistengruppe. In Anrufen bei örtlichen Journalisten teilte Lashkar-e-Jhangvi am Freitag mit, die beiden Selbstmordattentäter zu dem von Schiiten besuchten Klub geschickt zu haben. Die Gruppe unterhält Verbindungen zum Terrornetzwerk Al-Kaida und den radikalfundamentalistischen Taliban. Lashkar-e-Jhangvi war auch an der Entführung und Enthauptung des US-Reporters Daniel Pearl im Jahr 2002 beteiligt.

Zunächst hatte einer der beiden Attentäter in dem Zentrum seinen Sprengsatz gezündet. Zehn Minuten später sprengte sich dann der andere Mann in einem Wagen vor dem Klub in die Luft, als gerade Polizisten, Rettungskräfte und Journalisten herbeieilten. Es war der schwerste Anschlag in Pakistan, seitdem zwei Selbstmordattentäter im Mai 2011 in der nordwestlichen Stadt Shabqadar 98 Menschen mit in den Tod gerissen hatten. Zudem war es der blutigste Anschlag auf Schiiten in Pakistan überhaupt.

Die trockene und bergige Provinz Belutschistan ist seit Jahren Schauplatz von Gefechten zwischen den Sicherheitskräften auf der einen und Unabhängigkeitskämpfern sowie islamistischen Aufständischen auf der anderen Seite. Zudem gibt es regelmäßig gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Sunniten und Schiiten.

Mehr als 20 Tote bei Explosion im Swat-Tal
Ebenfalls am Donnerstag starben in der Stadt Mingora im nordwestlichen Swat-Tal mindestens 20 Menschen bei einer Explosion in einem islamischen Zentrum, in dem muslimische Prediger ausgebildet werden. Nach Angaben der Behörden ereignete sich die Detonation, als rund 1.500 Menschen der Ansprache eines Predigers zuhörten. Für den Anschlag seien rund fünf Kilogramm Sprengstoff verwendet worden. Vorerst bekannte sich niemand zu der Tat.

2009 übernahmen pakistanische Taliban die Kontrolle über das Swat-Tal, sie wurden später jedoch von der Armee wieder vertrieben. Seitdem dauert der gewaltsame Machtkampf zwischen den Radikalislamisten und den Regierungskräften an.

Zuletzt hatte das Swat-Tal international Schlagzeilen gemacht, weil Taliban-Kämpfer die Kinderrechts- und Menschenrechtsaktivistin Malala Yousafzai in einem Schulbus niederschossen hatten. Die 14-Jährige wurde an Kopf und Schulter getroffen und später zur Behandlung nach Großbritannien geflogen, wo sie zusammen mit ihrer Familie aufgenommen wurde.

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