Bombe in Belfast

Nordirland fürchtet neue Welle der Gewalt

Ausland
03.01.2013 11:20
Nach dem Fund einer Autobombe am Sonntag fürchtet Nordirland eine neue Gewaltwelle. Der stellvertretende Polizeipräsident George Hamilton spricht von einer "ernsthaften Bedrohung", berichtet die BBC. Die funktionsfähige Bombe war unter dem Auto eines Polizisten gefunden worden. Laut Hamilton sind weitere Sprengsätze nicht auszuschließen. Er fordert die nordirischen Polizeibeamten auf, in der nächsten Zeit ihre Privatautos auf Bomben zu untersuchen.

Unterdessen sind jene drei Männer, die im Zusammenhang mit dem versuchten Attentat festgenommen worden waren, wieder auf freiem Fuß. Zwei von ihnen waren unmittelbar nach dem Bombenfund in Gewahrsam genommen worden, ein dritter am Dienstag. Über die Gründe für die Freilassung machte die Polizei keine Angaben. Wer den Sprengsatz gelegt hat, ist damit weiter unklar. Die Ermittler vermuten militante irische Republikaner hinter der Tat.

Eine neue IRA?
Laut Medienberichten hat sich eine Gruppe namens "New IRA" zu dem versuchten Anschlag bekannt. Die neue Bewegung gilt als Splittergruppe der berüchtigten "Irisch-Republikanischen Armee" (IRA), die jahrzehntelang für einen Anschluss Nordirlands an die katholisch geprägte Republik Irland gekämpft hatte. Vor acht Jahren hat sie offiziell der Gewalt abgeschworen, einige Verbände setzen den Aufstand jedoch fort – mit teils blutigen Mitteln. Die Bombe vom Sonntag soll die Ermittler auf die Spur der Täter führen. Sie konnte rechtzeitig entschärft werden und wird nun genauer untersucht. Die Sprengkraft hätte ausgereicht, um den Polizisten und seine Familie zu töten.

30 Jahre Terror
Die erbitterten Auseinandersetzungen zwischen Protestanten und Katholiken haben die britische Gesellschaft 30 Jahre lang in Atem gehalten. Etwa 3.500 Menschen sind im Nordirland-Konflikt getötet worden, ehe das Karfreitagsabkommen von 1998 dem Blutvergießen ein Ende gesetzt hat. Die Politik in Belfast hat den versuchten Anschlag scharf verurteilt. Der sozialdemokratische Parlamentarier Conall McDevitt bezeichnet die Tat als "zynischen und betrüblichen Akt". Die Täter würden sich dem erklärten Willen der nordirischen Bevölkerung widersetzen, die sich längst von der Gewalt abgewendet habe. Der britische Nordirlandminister Mike Penning sagte, die mutmaßlichen Attentäter hätten "nichts als Terror und Elend" zu bieten.

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