Blutige Kolonialzeit

Hollande in Algier: Ja zur “Wahrheit” – aber “keine Reue”

Ausland
20.12.2012 10:49
Der französische Präsident Francois Hollande (li.) hat zu Beginn seines ersten Staatsbesuchs in der ehemaligen französischen Kolonie Algerien eine Entschuldigung für die Kolonialzeit klar abgelehnt. Er stehe zur "Wahrheit", sei aber nicht nach Algerien gekommen, um "Reue zu zeigen oder sich zu entschuldigen", sagte Hollande nach einem Treffen mit seinem Amtskollegen Abdelaziz Bouteflika (re.) am Mittwoch in Algier. Die beiden Länder wollen 50 Jahre nach dem blutigen Unabhängigkeitskrieg ihre bilateralen Beziehungen endgültig normalisieren.

Zu diesem Zweck unterzeichneten Hollande und Bouteflika am Mittwochabend eine Freundschafts- und Kooperationserklärung. Sie sieht unter anderem eine verstärkte Zusammenarbeit im politischen und wirtschaftlichen Bereich vor. Auch der Jugend- und Kulturaustausch soll intensiviert werden.

"Gleichberechtigte strategische Partnerschaft" als Ziel
"50 Jahre nach der Unabhängigkeit Algeriens sind Frankreich und Algerien entschlossen, ein neues Kapitel ihrer Beziehungen aufzuschlagen", heißt es in der Erklärung. Die Konflikte über die Vergangenheitsbewältigung müssen ein Ende haben. Er wünsche sich eine "gleichberechtigte strategische Partnerschaft", verkündete Hollande. Seinen Amtskollegen Bouteflika habe er im Gegenzug zu einem Staatsbesuch nach Frankreich eingeladen.

Die Beziehungen zwischen den beiden Ländern gelten bis heute als äußerst schwierig. Der Unabhängigkeitskrieg von 1954 bis 1962 war einer der blutigsten überhaupt - zwischen 350.000 (laut Frankreich) und 1,5 Millionen (laut Algerien) Menschen wurden dabei getötet. Seither hatte keiner der französischen Präsidenten offiziell Reue für die Ereignisse der damaligen Zeit gezeigt. Deshalb hatten mehrere algerische Parteien, darunter vier islamistische Bewegungen, im Vorfeld des Hollande-Besuchs eine Entschuldigung des französischen Politikers für die Verbrechen der Kolonialzeit gefordert.

"Anerkennung der Dramen", aber "keine Entschuldigung"
Diese blieb jedoch auch diesmal aus. Er habe sich stets dafür ausgesprochen, die "Wahrheit" über die Vergangenheit, über die Kolonialzeit und über den Krieg mit "all seinen Dramen" zu sagen, so Hollande. "Ich erkenne die Leiden an, die die Kolonialisierung dem algerischen Volk zugefügt hat." Sie sei "zutiefst ungerecht und brutal" gewesen. Er sei jedoch nicht nach Algerien gekommen, um "Reue zu zeigen oder sich zu entschuldigen". Die Vergangenheit dürfe kein Hinderungsgrund sein, die Zukunft in Angriff zu nehmen. 50 Jahre nach dem Ende des Krieges sei es Zeit für eine "neue Ära".

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