100 Jahre unabhängig
Albanien feiert – Spindelegger voll des Lobes mit dabei
Schon seit Tagen fieberten Albaner nicht nur im eigenen Land, sondern auch im Kosovo, in Mazedonien und in anderen Teilen des Balkans sowie die albanische Diaspora weltweit dem Tag entgegen. Für die Staatsspitze begannen die offiziellen Feierlichkeiten in der Stadt Vlora im Süden des Landes. Dort, am Ort der Unabhängigkeitserklärung, legte Staatspräsident Bujar Nishani einen Kranz im Gedenken an den Politiker Ismail Qemali nieder, der die Liste der Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung anführte und erster Premier des neuen Staates wurde.
1912 Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich
In Vlora hatten sich am 28. November 1912 Delegierte aus allen Teilen der von Albanern bewohnten Gebiete des Balkans zu einem Nationalkongress zusammengefunden. Dieses Gremium rief nach der Niederlage Konstantinopels im Ersten Balkankrieg gegen Serben, Bulgaren, Griechen und Montenegriner die Unabhängigkeit vom niedergehenden Osmanischen Reich dem man mehr als 400 Jahre lang angehört hatte, aus und bildete zugleich eine provisorische Regierung. Die damaligen europäischen Großmächte stimmten der Unabhängigkeit Albaniens als Fürstentum unter dem deutschen Prinzen Wilhelm zu Wied zu.
Hälfte der Albaner-Territorien außerhalb des Staates
Allerdings machte sich Österreich-Ungarn aus strategischem Interesse damals für ein größeres Albanien mit ethnischen Grenzen stark, um großslawischen und italienischen Ambitionen in Südosteuropa besser Einhalt zu gebieten. Wien konnte zwar verhindern, dass Russland via Serbien einen direkten Zugang zu Adria und Mittelmeer erhielt, allerdings blieb rund die Hälfte der mehrheitlich von Albanern bevölkerte Territorien, allen voran der Kosovo, außerhalb des albanischen Staates.
Absage an Großalbanien, EU-Integration als Ziel
Ultranationalisten streben daher heute noch ein Großalbanien an. Allerdings spielen sie im politischen Leben eine sehr geringe Rolle. Nachdem die EU und die USA klar machten, dass sie gegen dieses Projekt sind, stellen die politischen Eliten in Albanien und im Kosovo die EU-Integration in den Mittelpunkt. Die Bande zwischen den Albanern innerhalb und außerhalb Albaniens sind allerdings stark ausgeprägt und werden nach der Isolation Albaniens im Kommunismus und dem Kosovokrieg nun gefördert.
Skangerbegs Insignien aus Wien zu Besuch in Tirana
Außenminister Michael Spindelegger reiste am Mittwoch schon zum zweiten Mal innerhalb einer Woche rund um den Jahrestag nach Tirana, um dort als Staatsgast einer Militärparade beizuwohnen. Vorige Woche wohnte er im Nationalhistorischen Museum der Eröffnung einer Ausstellung mit den Insignien (im linken Bild im Hintergrund) des albanischen Nationalhelden Skanderbeg dem Kunsthistorischen Museum bei, die Österreich erstmals für das Jubiläum an Albanien verliehen hat. Als früherer Kämpfer gegen die Osmanen spiele Skanderbeg für die albanische National- und Unabhängigkeitsbewegung Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts eine große symbolische Bedeutung.
Spindelegger lobt "großartige Entwicklung" Albaniens
Spindelegger würdigte gegenüber albanischen Medien "die großartige Entwicklung" Albaniens seit dem Ende des Kommunismus vor 20 Jahren. Österreich unterstütze die EU-Annäherung des NATO-Landes "voll und ganz". Um den gewünschten Status als EU-Beitrittskandidat (siehe Infobox) zu erhalten, müsse das südosteuropäische Land aber die dafür nötigen Kriterien erfüllen. Konkret geht es dabei derzeit um drei Gesetze, die wegen des Streits der in Albanien notorisch verfeindeten Politlager nicht beschlossen wurden. Hinsichtlich des österreichischen Wirtschaftsengagements in Albanien - Österreich ist der drittgrößte Auslandsinvestor - pochte Spindelegger auf ein straffes Vorgehen "gegen jegliche Korruption" sowie auf Rechtsstaatlichkeit.
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