Französin im TV

Entführungsopfer: “Ich hatte Angst zu sterben”

Ausland
26.11.2012 13:55
Rund eine Woche nach der Befreiung aus den Händen ihres Entführers hat die 15-jährige Chloe aus Südfrankreich erstmals öffentlich über ihre Gefangenschaft gesprochen. Sie habe unter "Todesangst" gelitten, sagte das Mädchen am Sonntagabend dem französischen Sender M6. Die 15-Jährige war am 9. November vor ihrem Elternhaus gekidnappt und anschließend im Kofferraum eines 32-jährigen Franzosen gefangen gehalten worden. Der vorbestrafte Sexualtäter fuhr mit seinem Opfer tagelang durch die Gegend, bevor es am 16. November in Deutschland befreit wurde.

Ursprünglich war das Interview nur mit Chloes Eltern (Bild 2) geplant, hieß es. Die Tochter kam allerdings hinzu und war bereit, Fragen zu beantworten. Sie erzählte sehr detailiert von ihrem schrecklichen Erlebnis. Angefangen habe alles, als sie ihren Motorroller neben der Garage abgestellt hatte, da sei ein Mann in den Hof gekommen. "Ich wollte davonlaufen und bin gefallen, da hat er mich zum Auto gebracht." Und damit begann ihr Martyrium.

"Ich hatte Angst zu sterben"
Die meiste Zeit ihrer einwöchigen Gefangenschaft war Chloe im dunklen Kofferraum eingeschlossen. "Ich war mutlos. Ich habe mir gedacht, dass ich nie wieder nach Hause kommen werde. 24 Stunden lang war es ganz fürchterlich, ich war vernichtet", erzählte sie über die Stunden in völliger Dunkelheit. "Wenn man aus seiner Familie und seinem Leben entführt wird, dann kann man nichts anderes als Angst haben. Ja, ich hatte Angst. Ich hatte Angst zu sterben."

Zwei Tage nach der Entführung hörte sie vom Aufruf ihrer Mutter im Radio. "Das hat mich echt aufgerichtet, ich habe mir gesagt: Jetzt kann ich nicht aufgeben."

Hoffnung schöpfte Chloe auch, weil ihr Entführer sagte, sie werde vor Weihnachten wieder bei ihrer Familie sein. "Daran habe ich mich festgehalten." Fliehen wollte sie nicht. "Ich habe daran gedacht, aber was hätte ich in der Nacht im Wald gemacht? Ich hätte mich verirrt, oder er hätte mich am nächsten Morgen gefunden, das wäre mein Ende gewesen."

Ausweichende Antwort auf Frage nach sexuellen Übergriffen
Ausweichend antwortete Chloe auf die Frage, ob ihr Entführer sie sexuell belästigt habe. "Er wollte mir nicht direkt Böses antun", sagte sie. "Das bedeutet nicht, dass mir nicht auch andere Dinge widerfahren sind, aber das ist alles, was ich sagen kann." 

Die Staatsanwaltschaft in Nimes ermittelt wegen Entführung, Geiselnahme und Vergewaltigung. Der 32-jährige Täter sitzt in Untersuchungshaft und soll in den nächsten Tagen nach Frankreich gebracht werden.

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