Bei Spar-Protesten

Deutscher Konsul von Griechen mit Kaffee attackiert

Ausland
15.11.2012 15:24
Der deutsche Generalkonsul im griechischen Thessaloniki ist am Donnerstag am Rande einer Konferenz zur deutsch-griechischen Zusammenarbeit von aufgebrachten Demonstranten attackiert worden. Teilnehmer einer Demonstration gegen geplante Entlassungen im öffentlichen Dienst übergossen Generalkonsul Wolfgang Hoelscher-Obermaier mit Wasser und Kaffee (Bilder).

Hoelscher-Obermaier blieb unverletzt und wurde von Polizeibeamten aus dem Gedränge geleitet. Andere Teilnehmer der Konferenz wurden laut Polizeiangaben mit Eiern beworfen. Insgesamt demonstrierten den Behörden zufolge rund 300 Menschen vor dem Konferenzgebäude in der nordgriechischen Stadt.

Der griechische Protest richtete sich vor allem gegen die Anwesenheit deutscher Beamter bei der Konferenz zu deutsch-griechischen Handelsinitiativen. Einige skandierten Parolen wie "Zusammen Nazis rausschmeißen". Über Lautsprecher wurden zudem Nazi-Hymnen und griechische Radioaufnahmen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs abgespielt.

Deutscher Sondergesandter verärgerte Griechen
Am Vortag der Demonstration hatte der Staatssekretär im Berliner Arbeitsministerium, Hans-Joachim Fuchtel (CDU), Medienberichten zufolge gesagt, ein Beamter in Deutschland erledige die gleiche Arbeit wie drei städtische Beamte in Griechenland. Bei der Konferenz in Thessaloniki sagte Fuchtel als deutscher Sondergesandter für Griechenland, es handle sich bei diesen Äußerungen um "ein Missverständnis", das inzwischen ausgeräumt sei. Er sei nun "stärker pro-griechisch als je zuvor".

Eine deutsche Parlamentarierin der Linkspartei, Annette Groth, die an der Konferenz teilnahm, drückte den Demonstranten ihre Solidarität aus: "Ich verstehe euch, auch ich war wütend und arbeitslos." Gegen "Faschismus und bestimmte Interessen" müsse gekämpft werden.

Viele Griechen sehen Deutschland als einen der Hauptverantwortlichen für den starken Spardruck, unter dem das hoch verschuldete Land leidet. Die Euro-Zone will Griechenland zwei weitere Jahre zur Erfüllung seiner Sparauflagen einräumen, über die Finanzierung dieses Aufschubs gibt es jedoch noch keine Einigung.

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