"Echter Markenname"

Waffenbau-Krise: Moskau muss die Kalaschnikow retten

Ausland
13.11.2012 10:26
Russland plant eine Rettungsoffensive für seine darbende Rüstungsindustrie. Der kriselnde Hersteller des legendären Sturmgewehrs Kalaschnikow, Ischmasch, soll fusionieren und künftig gemeinsam mit dem Waffenbauer Ischmech aus allen Rohren feuern. Der 93-jährige Waffenkonstrukteur Michail Kalaschnikow (Bild) habe bereits zugestimmt, dass das neue Unternehmen seinen Namen trägt, erklärte Vize-Premier Dmitri Rogosin am Dienstag in Moskau und meinte: "Kalaschnikow - das ist ein echter Markenname."

Doch klar ist: Viel mehr Kugeln hat der einst stolze Schusswaffenproduzent Russland nicht im Lauf. Der Niedergang des zahlungsunfähigen Kalaschnikow-Bauers Ischmasch - ausgerechnet zum 65. Geburtstag des Gewehrs - ist dafür ein Symbol. "Die Industrie steckt tief in der Krise", stellt der russische Rüstungsexperte Wadim Kosjulin fest.

Verteidigungsministerium verschmäht russische Waffen
Selbst das Verteidigungsministerium hat kein Interesse mehr an den Waffen aus heimischer Produktion. Die neuen Kalaschnikows böten im Vergleich zu den alten keine bedeutenden Vorteile, kritisiert der Generalstab. Auch die medienwirksame Ankündigung einer "Kalaschnikow für eine Hand" erwies sich als Flop. Überdies liegen derzeit für etwa eine Million Soldaten rund 17 Millionen Exemplare des bewährten Awtomat Kalaschnikowa (AK-47) mit dem markant gekrümmten Magazin bereit - das reicht fürs Erste.

Unter dem gerade erst abservierten Verteidigungsminister Anatoli Serdjukow (siehe Infobox) seien zudem die Beziehungen zwischen der Armee und der einflussreichen Rüstungslobby auf einen Tiefpunkt gerutscht, heißt es in russischen Medien. Serdjukow stellte öffentlich die ketzerische Frage, ob Russland überhaupt noch die Kalaschnikow brauche. Auch deswegen habe Premier Wladimir Putin Serdjukow, den Zivilisten in Uniform, gefeuert und stattdessen seine "Allzweckwaffe" Sergej Schoigu auf den wichtigen Posten berufen. Dieser war erst Chef der Zivilschützer, dann Gouverneur des wichtigen Moskauer Gebiets - und nun ist er Verteidigungsminister. Schoigu steht für Oberbefehlshaber Putin auf jedem Posten Gewehr bei Fuß.

Kreml-Hilfe nach Kalaschnikow-Brandbrief an Putin
Denn negative Nachrichten, die das milliardenschwere Exportgeschäft beeinträchtigen könnten, kann sich Russland nicht leisten. "Wenn selbst das Herstellerland kein Interesse an seinen Waffen hat, reduziert das die Verkaufschancen im Ausland erheblich", zitierte das Wirtschaftsmagazin "Kommersant Dengi" einen Rüstungsvertreter. Der greise Staatsheld Michail Kalaschnikow aber kämpft um sein Lebenswerk. Lange war ihm die ernste Lage "seiner" Firma mit Rücksicht auf seine angeschlagene Gesundheit verschwiegen worden. Nun hat er mit einem Brandbrief an Putin die Kreml-Hilfe für die Industrie angefeuert.

Kein Geld für Neuentwicklungen, keine Fachkräfte - die russische Waffenindustrie hat Ladehemmung. Zwar soll die Armee auf Geheiß Putins bis 2020 für viele Milliarden generalüberholt werden. Doch sogar dieses Geld werde kaum reichen, um die maroden Rüstungsbetriebe auf Vordermann zu bringen, meinen Experten. Außerdem mischen immer mehr Konkurrenten aus aufstrebenden Wirtschaftsmächten wie China auf dem Weltmarkt mit. Hinzu kommt: Bei einem Großteil der Millionen Kalaschnikows, die in Afrika und Lateinamerika im Einsatz sind, handelt es sich um Nachbauten. Russland erhielt dafür keinen Rubel.

Einsparungen und bessere Wettbewerbsfähigkeit als Ziel
Mit dem Unternehmensnamen Kalaschnikow hofft der Staatskonzern Rostechnologii daher auch auf stärkeren Markenschutz - und mehr Werbewirksamkeit. Die Fusion der Waffenbauer Ischmasch und Ischmech soll aber vor allem Kosten sparen, die Unternehmen wettbewerbsfähiger machen. "Der Betrieb kann sich dann auf die Entwicklung und Produktion der neuen Modelle konzentrieren", urteilt Rüstungsexperte Igor Korotschenko. Noch arbeiten etwa 5.000 Menschen in den Rüstungsschmieden in der Stadt Ischewsk am Ural. Viel zu tun gibt es derzeit für sie jedoch nicht.

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