Vatileaks-Prozess
Milde Strafe für Programmierer, der Kammerdiener half
Der vatikanische Staatsanwalt Nicola Picardi hatte eine viermonatige Haftstrafe gefordert, das eigentliche Strafmaß wurde jedoch gemildert, unter anderem, weil der Programmierer unbescholten war und sich bei den Ermittlungen kooperativ gezeigt hatte.
Der 48-jährige Informatikexperte, der sich für unschuldig erklärt hatte, kündigte Berufung gegen das Urteil an. Er muss die Prozesskosten übernehmen und darf weiter für den Vatikan arbeiten. Seit 20 Jahren ist er im Staatssekretariat, der Regierung des Kirchenstaates, für die Instandhaltung der Computer verantwortlich. Laut Richter Giuseppe Dalla Torre soll er dazu beigetragen haben, die Ermittlungen der Behörden zu durchkreuzen.
Kopien von Dokumenten bei Programmierer gefunden
Fahnder hatten auf Sciarpellettis Schreibtisch einen an Gabriele adressierten Umschlag gefunden. Darin befanden sich Kopien von Papieren, die der italienische Journalist Gianluigi Nuzzi von Gabriele erhalten hatte und in seinem Enthüllungsbuch "Seine Heiligkeit" veröffentlichte. Gabriele hatte bestritten, Komplizen gehabt zu haben.
Während des Prozesses sagte Sciarpelletti, er sei nach seiner Festnahme verwirrt gewesen. Deshalb habe er im Mai zunächst widersprüchliche Angaben zur Herkunft der bei ihm gefundenen Dokumente gemacht. Er habe diese aber nie gelesen. Gabriele räumte während des Prozesses als Zeuge ein, dem Angeklagten Dokumente übergeben zu haben, die aber nicht vertraulich gewesen seien. Der frühere Kammerdiener verbüßt seine eineinhalbjährige Haftstrafe derzeit im Gefängnis der Vatikan-Gendarmerie. Der Vatikan stellte mittlerweile eine Begnadigung in Aussicht.
Der Prozess gegen den Informatikexperten fand wie bereits das Verfahren gegen Gabriele in einem kleinen Gerichtssaal hinter der Peterskirche statt. Zu den Verhandlungen wurde lediglich ein Pool aus acht Print- und Agenturjournalisten zugelassen. Fotos oder TV-Bilder des Angeklagten im Gerichtssaal gab es nicht.
Kammerdiener bereits verurteilt
Paolo Gabriele war am 6. Oktober von einem vatikanischen Gericht verurteilt worden, weil er in der sogenannten Vatileaks-Affäre vertrauliche Dokumente kopiert und an den Journalisten Nuzzi weitergegeben hatte. Dieser hatte sie in seinem Enthüllungsbuch veröffentlicht. Laut Ermittlungen hatte Gabriele Nuzzi zahlreiche kopierte Briefe und Geheimdokumente aus der Wohnung des Papstes weitergereicht.
Als die Dokumente veröffentlicht wurden, spekulierten Beobachter, innervatikanische Flügelkämpfe seien die wahre Ursache für den Vertrauensbruch gewesen, eines der Angriffsziele sei Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone. Nuzzis Buch sorgte in den vergangenen Monaten weltweit für Schlagzeilen.
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