Do, 19. Juli 2018

"Concordia"-Unglück

15.10.2012 14:39

Kapitän vor Gericht: "Er kaut Nägel, spielt mit Handy"

Der Kapitän der am 13. Jänner gekenterten "Costa Concordia", Francesco Schettino, hat am Montag am Beweissicherungstermin zur Havarie in der toskanischen Stadt Grosseto teilgenommen. Die Beweisaufnahme fand in einem Theater (Bild rechts) hinter verschlossenen Türen statt. Eine Prozessbeobachterin berichtete später, dass Schettino sehr nervös gewirkt, Nägel gekaut und dauernd mit seinem Handy gespielt habe.

Beim Beweissicherungstermin ging es um die Auswertung der Blackbox sowie um die Ergebnisse eines umfangreichen Gutachtens über die Hintergründe der Havarie. Über 1.000 Menschen, darunter Hunderte Passagiere und Angehörige der Opfer, beteiligten sich an der Gerichtsverhandlung. "Wir wollen Schettino in die Augen blicken und sehen, wie er auf die Vorwürfe reagiert", sagte der 50-jährige Michael Liessen, der das Unglück überlebt hatte.

Wie versteinert saß der 52-jährige Schettino zwischen seinen Rechtsanwälten und verfolgte die Verhandlung, bei der er sich nicht zu Wort melden durfte, berichteten Augenzeugen. Vor Beginn des Gerichtstermins näherte sich ihm ein Überlebender des Schiffsunglücks und schüttelte ihm die Hand. Die beiden tauschten einige Worte aus.

"Schettino ist nervös, er kaut Nägel und spielt dauernd mit seinem Handy", berichtete eine deutsche Passagierin, die an der Gerichtsverhandlung teilnahm. Dem Unglückskapitän, der im Juli aus dem Hausarrest entlassen wurde, drohen wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung 15 Jahre Haft pro Todesopfer.

Oberösterreicher erschien nicht
Der österreichische Vizepräsident der "Concordia"-Betreiberfirma Costa Crociere, gegen den wegen des Verdachts der Beihilfe zur fahrlässigen Tötung ermittelt wird, nahm entgegen den Erwartungen nicht am Beweissicherungstermin teil. "Da seine Anwesenheit nicht notwendig ist, hat er beschlossen, heute nicht dabei zu sein", sagte seine Mailänder Rechtsanwältin Manuela Cigna. Die ermittelnden Staatsanwälte werfen dem Oberösterreicher Mängel bei der Koordinierung der Rettungsaktion an Bord des Schiffes vor.

Vor dem Theater in Grosseto war es zu Beginn des Gerichtstermins zu einem Massenandrang gekommen: Rechtsanwälte, Experten und Journalisten versammelten sich vor dem Eingang. Auch mehrere Passagiere und Angehörige der Opfer waren anwesend. "Gerechtigkeit für die Opfer und ihre Angehörigen!", war auf dem Plakat eines Passagiers zu lesen. Anwesend waren auch mehrere Passagiere, die die Entschädigung der Costa Crociere nicht angenommen haben.

In Grosseto traf auch Sergio Ortelli, Bürgermeister der Insel Giglio, ein, vor der das Schiff gekentert ist. Die Gemeinde nimmt als Zivilkläger am Prozess teil, sie verlangt Entschädigung für das Unglück. "Wir sind dabei, die Schäden für die Insel zu beziffern, die durch das 'Concordia'-Unglück entstanden sind", sagte der Rechtsanwalt der Gemeinde, Alessandro Lecci.

30 Tote, zwei Vermisste
Beim Unglück vor der italienischen Insel Giglio war die "Costa Concordia" mit 4.200 Passagieren und Crew-Mitgliedern an Bord gekentert, darunter 77 Österreicher. Mindestens 30 Menschen starben, zwei gelten offiziell noch als vermisst.

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