Angespannte Lage
Türkei erwidert neuen Angriff an der Grenze zu Syrien
Der jüngste Vorfall ereignete sich am frühen Samstagmorgen in der Nähe des Dorfes Güvecci in der Provinz Hatay, meldete die türkische Nachrichtenagentur Anadolu. Auf türkischer Seite wurden keine Verletzten gemeldet, über die Auswirkungen des Gegenangriffs liegen noch keine Informationen vor. Die türkischen Behörden werten den erneuten Granateneinschlag nicht als Angriff auf ihr Land, hieß es. Das Amt des Gouverneurs von Hatay sehe in dem Vorfall einen fehlgeleiteten Angriff der syrischen Armee auf die Rebellen, berichtete Anadolu. Ursache sei die Intensivierung der Kampfhandlungen in dem Gebiet.
In den vergangenen zwei Tagen hatte die türkische Armee bereits zweimal Granatenbeschuss mit Gegenangriffen beantwortet, zuletzt am Freitagabend ebenfalls in Hatay. Am Mittwoch waren im türkischen Akcakale nahe der syrischen Grenze eine Mutter und ihre vier Kinder von Granaten getötet worden. Wenige Stunden später beschoss die Türkei erstmals Ziele im Bürgerkriegsland Syrien. Zudem gab das Parlament in Ankara der Armee grünes Licht für einen möglichen Militäreinsatz im Nachbarland (siehe Infobox). Der Beschluss sollte jedoch lediglich der Abschreckung dienen, wie Regierungspolitiker bemüht waren zu betonen.
Erdogan verschärft Tonart
Doch nur kurz vor einem neuen Granateneinschlag am Freitag hatte der türkische Ministerpräsident Erdogan dann eine deutliche Warnung an Syrien ausgesprochen. Wer die Abwehrfähigkeit der Türkei testen wolle, mache einen tödlichen Fehler, sagte er. "Wir wollen keinen Krieg, aber wir sind nicht weit davon entfernt", so Erdogan. Ihre jetzige Position habe die türkische Nation durch Kriege gewonnen. Harte Worte nach den zunächst versöhnlichen Tönen am Donnerstag.
Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich am Freitagabend wegen der anhaltenden Spannungen besorgt. Sie hoffe und denke, dass die Besonnenheit auch von Seiten der Türkei und der NATO so sei, dass es nicht zu einer Eskalation kommen werde, sagte Merkel. Zugleich betonte sie: "Es ist eine extrem ernste Situation."
Russland ruft Ankara zu Zurückhaltung auf
Russland rief indessen die Regierung in Ankara mit Nachdruck zur Zurückhaltung auf. "Wir hoffen sehr, dass die Türkei nicht mit einseitigen Schritten die Spannungen in der Region weiter anheizt", sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Moskau am Freitag. Russland begrüße die Kommentare türkischer Politiker, die sich um eine Entspannung der explosiven Lage bemühen würden, betonte der Sprecher nach Angaben der Agentur Interfax. Moskau hatte zuvor bereits Syrien aufgefordert, sich öffentlich für den tödlichen Granatenangriff auf das türkische Grenzdorf zu entschuldigen.
Aufs Schärfste verurteilt hatte der UN-Sicherheitsrat in der Nacht auf Freitag den syrischen Granatenangriff. Das Gremium forderte Syrien zudem auf, solche Verstöße gegen internationales Recht sofort zu unterlassen. Die 15 Mitglieder des Gremiums, darunter auch Russland - eigentlich ein enger Verbündeter Syriens -, einigten sich nach stundenlangen Verhandlungen auf die Verurteilung des Angriffs.
USA stärken Türkei den Rücken: "Reaktion angemessen"
Von den USA hatte die türkische Regierung am Donnerstag Rückendeckung für ihre militärische Reaktion auf den Granatenangriff bekommen. Das US-Außenministerium bekräftigte in einer Stellungnahme, das NATO-Mitglied Türkei habe das Recht, sich gegen Übergriffe aus Syrien zu verteidigen. Die Reaktion der Türkei sei angemessen gemessen. Die USA äußerten jedoch zugleich die Hoffnung, dass die Lage nicht weiter eskaliere.
Kronen Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen 






Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.