Fr, 22. Juni 2018

Angespannte Lage

06.10.2012 08:55

Türkei erwidert neuen Angriff an der Grenze zu Syrien

Die Lage an der türkisch-syrischen Grenze bleibt weiter angespannt. Am Samstagmorgen detonierte eine weitere syrische Mörsergranate auf türkischem Boden. Die türkischen Streitkräfte erwiderten darauhin sofort das Feuer. Am Freitagnachmittag hatte der türkische Premier Recep Tayyip Erdogan vor einem weiterem Beschuss seines Landes gewarnt. "Wir wollen keinen Krieg, aber wir sind nicht weit davon entfernt", sagte er bei einer Kundgebung in Istanbul in Richtung des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad.

Der jüngste Vorfall ereignete sich am frühen Samstagmorgen in der Nähe des Dorfes Güvecci in der Provinz Hatay, meldete die türkische Nachrichtenagentur Anadolu. Auf türkischer Seite wurden keine Verletzten gemeldet, über die Auswirkungen des Gegenangriffs liegen noch keine Informationen vor. Die türkischen Behörden werten den erneuten Granateneinschlag nicht als Angriff auf ihr Land, hieß es. Das Amt des Gouverneurs von Hatay sehe in dem Vorfall einen fehlgeleiteten Angriff der syrischen Armee auf die Rebellen, berichtete Anadolu. Ursache sei die Intensivierung der Kampfhandlungen in dem Gebiet.

In den vergangenen zwei Tagen hatte die türkische Armee bereits zweimal Granatenbeschuss mit Gegenangriffen beantwortet, zuletzt am Freitagabend ebenfalls in Hatay. Am Mittwoch waren im türkischen Akcakale nahe der syrischen Grenze eine Mutter und ihre vier Kinder von Granaten getötet worden. Wenige Stunden später beschoss die Türkei erstmals Ziele im Bürgerkriegsland Syrien. Zudem gab das Parlament in Ankara der Armee grünes Licht für einen möglichen Militäreinsatz im Nachbarland (siehe Infobox). Der Beschluss sollte jedoch lediglich der Abschreckung dienen, wie Regierungspolitiker bemüht waren zu betonen.

Erdogan verschärft Tonart
Doch nur kurz vor einem neuen Granateneinschlag am Freitag hatte der türkische Ministerpräsident Erdogan dann eine deutliche Warnung an Syrien ausgesprochen. Wer die Abwehrfähigkeit der Türkei testen wolle, mache einen tödlichen Fehler, sagte er. "Wir wollen keinen Krieg, aber wir sind nicht weit davon entfernt", so Erdogan. Ihre jetzige Position habe die türkische Nation durch Kriege gewonnen. Harte Worte nach den zunächst versöhnlichen Tönen am Donnerstag.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich am Freitagabend wegen der anhaltenden Spannungen besorgt. Sie hoffe und denke, dass die Besonnenheit auch von Seiten der Türkei und der NATO so sei, dass es nicht zu einer Eskalation kommen werde, sagte Merkel. Zugleich betonte sie: "Es ist eine extrem ernste Situation."

Russland ruft Ankara zu Zurückhaltung auf
Russland rief indessen die Regierung in Ankara mit Nachdruck zur Zurückhaltung auf. "Wir hoffen sehr, dass die Türkei nicht mit einseitigen Schritten die Spannungen in der Region weiter anheizt", sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Moskau am Freitag. Russland begrüße die Kommentare türkischer Politiker, die sich um eine Entspannung der explosiven Lage bemühen würden, betonte der Sprecher nach Angaben der Agentur Interfax. Moskau hatte zuvor bereits Syrien aufgefordert, sich öffentlich für den tödlichen Granatenangriff auf das türkische Grenzdorf zu entschuldigen.

Aufs Schärfste verurteilt hatte der UN-Sicherheitsrat in der Nacht auf Freitag den syrischen Granatenangriff. Das Gremium forderte Syrien zudem auf, solche Verstöße gegen internationales Recht sofort zu unterlassen. Die 15 Mitglieder des Gremiums, darunter auch Russland - eigentlich ein enger Verbündeter Syriens -, einigten sich nach stundenlangen Verhandlungen auf die Verurteilung des Angriffs.

USA stärken Türkei den Rücken: "Reaktion angemessen"
Von den USA hatte die türkische Regierung am Donnerstag Rückendeckung für ihre militärische Reaktion auf den Granatenangriff bekommen. Das US-Außenministerium bekräftigte in einer Stellungnahme, das NATO-Mitglied Türkei habe das Recht, sich gegen Übergriffe aus Syrien zu verteidigen. Die Reaktion der Türkei sei angemessen gemessen. Die USA äußerten jedoch zugleich die Hoffnung, dass die Lage nicht weiter eskaliere.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.