Romney-Kampagne
Spenden frisiert, trotzdem Boni für Wahlkampfteam
Die "Washington Post" stöberte bei der Wahlkommission in den Finanzreports der Romney-Wahlkämpfer und stellte fest, dass die ranghöchsten Mitarbeiter offenbar nach einem Bonus-System bezahlt werden. Die Prämien dürften ausgeschüttet worden sein, nachdem Romney am Parteitag der Republikaner offiziell die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten angenommen hatte.
Romneys "National Political Director" Richard Beeson bekam im August 37.500 Dollar zusätzlich zum Monatsgehalt von 13.750 Dollar. Sechs weitere Mitarbeiter, darunter Romneys Wahlkampfleiter, seine Anwältin sowie die leitenden Politik- und PR-Berater, erhielten Bonuszahlungen von je 25.000 Dollar. Zwei weitere Mitarbeiter bekamen im August 10.000 Dollar extra. Insgesamt wurden über 200.000 Dollar an Boni ausgeschüttet, berichtet die "Post".
Wahlkampfbudget mit Kredit aufgebessert
Die Boni-Enthüllung kommt inmitten neuer Spekulationen um die Liquidität der Romney-Kampagne. Ende August war Romney noch als Spenden-Kaiser bezeichnet worden, weil sein Wahlkampfteam von Mai bis Juli deutlich höhere finanzielle Zuwendungen verzeichnete als Präsident Barack Obama. Kürzlich wurde jedoch publik, dass Romney seine Einnahmen mit einem Kredit aufpolierte. Im August hatte er in Wahrheit "nur" rund 66 Millionen Dollar an Spenden eingesammelt, übertrumpfte aber dank eines 20-Millionen-Kredites das "Team Obama", das im August 85 Millionen eingesammelt hatte.
Laut eigenen Angaben borgte sich das Romney-Team das Geld, weil zu dieser Zeit der für den Vorwahlkampf bestimmte Etat beinahe erschöpft war und man auf die für die Zeit nach der offiziellen Nominierung bestimmten Summen nicht zugreifen konnte. Laut "Post" sind von dem Kredit aktuell noch elf Millionen ungetilgt.
Romney-Team zählte alle Spendentöpfe zusammen
Laut "New York Times" haben Romneys Wahlkämpfer in Sachen Budget sogar viel zu dick aufgetragen: Ende August suggerierten sie, Romney und die mit ihm verbandelten "Politischen Aktionskomittees", die in den USA beliebig hohe Spenden von Personen und Firmen lukrieren dürfen und dann selbstständig Werbespots schalten, hätte über 300 Millionen Dollar zur Verfügung.
Tatsächlich wurden dabei aber sämtliche Spendentöpfe der Republikaner zusammengezählt, mit denen auch Wahlkämpfe für Senatoren usw. unterstützt werden. In Wahrheit kann die Partei für Romney nur insgesamt 22 Millionen Dollar ausgeben.
Obama gibt derzeit doppelt so viel aus wie Romney
Wie viel Geld die beiden Kandidaten und ihre Unterstützer tatsächlich zur Verfügung haben, kann erst nach dem Wahltag gesagt werden. Beobachter gehen davon aus, dass die Gesamtwahlkampfkosten pro Kandidat heuer erstmals die Milliardengrenze knacken könnten.
Derzeit scheint jedenfalls Barack Obama deutlich flüssiger zu sein als Romney. In umkämpften "Swing States" wie Colorado, New Hampshire und Ohio haben Obama und seine Unterstützer im laufenden Monat stets doppelt so viel ausgegeben wie Romney.
Romney verdiente 2011 fast 14 Millionen Dollar
Romney gab am Freitag übrigens einen Einblick in seine persönlichen Finanzen: Er habe im vergangenen Jahr rund 13,7 Millionen Dollar verdient und darauf rund 14 Prozent Steuern gezahlt. Zudem gab der Gründer und ehemalige Chef einer Private-Equity-Firma bekannt, dass er seit 1990 im Durchschnitt rund 20 Prozent Steuern auf sein Einkommen gezahlt habe. Über diese Zahl war in den USA heftig spekuliert worden. Romney steht wegen seiner Steuern seit längerem unter schwerem öffentlichem Druck.
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