Jubel in Kolumbien

Verätzte Finger und OPs: “El Loco” nach 20 Jahren gefasst

Ausland
20.09.2012 15:20
Der Stoff, aus dem Gangsterfilme gemacht sind - der Drogenbaron Daniel Barrera könnte dafür Porträt gestanden haben. Nach fast 20 Jahren haben Drogenfahnder den meistgesuchten Kokain-Capo Kolumbiens endlich geschnappt. Bei seiner Festnahme in Venezuela war "El Loco" ("Der Verrückte") wegen mehrerer chirurgischer Eingriffe praktisch nicht wiederzuerkennen, auch hatte er sich mit Säure die Finger verätzt, um keine identifizierbaren Abdrücke zu hinterlassen.

Die kolumbianischen Behörden hatten gemeinsam mit US-amerikanischen Drogenfahndern bzw. CIA-Einsatzkräften vor Monaten eine Taskforce zur Ergreifung des Drogenbarons eingerichtet. Die Festnahme in der venezolanischen Stadt San Cristobal, unweit der Grenze zu Kolumbien, erfolgte mithilfe von Interpol, als Barrera gerade ein Telefonat in einer Telefonzelle führen wollte. Der 50-Jährige ließ sich widerstandslos verhaften.

Bei der Jagd auf den "letzten Drogenbaron der alten Schule" waren in den vergangenen Wochen 36 Mitglieder seiner Gang verhaftet sowie insgesamt fünf Tonnen Kokain und 21 Kurier-Flugzeuge beschlagnahmt worden. Seine Schmuggler sollen ein mexikanisches Drogenkartell monatlich mit mehr als zehn Tonnen Koks beliefert haben. Von dort wurden die Drogen dann in die Vereinigten Staaten weitergeliefert und verkauft, auch Europa wurde beliefert.

7,7 Millionen Dollar Belohnung
"El Loco" war die letzte große Nummer der Drogenbarone auf der kolumbianischen Fahndungsliste. In den letzten zwölf Monaten waren, ebenfalls in Venezuela, zwei weitere Kokain-Capos verhaftet worden. Auf Barrera und seine Branchenkollegen hatten die USA Belohnungen von jeweils fünf Millionen Dollar ausgesetzt. Bei "El Loco" hatte die kolumbianische Regierung noch 2,7 Millionen Dollar extra ausgelobt.

Barrera hatte seine Schmuggelrouten durch Deals mit den linksradikalen FARC-Rebellen sowie rechten Paramilitärs und korrupten Beamten abgesichert und auf diese Weise die nationale Sicherheit Kolumbiens gefährdet. Die Belohnung wird nun zusammen mit dem US-Geld an die Informanten ausbezahlt, die die Hinweise zur Ergreifung des Drogenbarons geliefert hatten.

Gesichts-OP und verätzte Finger
Den Schilderungen der Fahnder nach hatte sich "El Loco" 2008 auf eine Farm im venezolanischen Grenzgebiet zu Kolumbien zurückgezogen und von dort aus die Operationen seiner Gang gelenkt. Sein äußeres Erscheinungsbild sei durch chirurgische Eingriffe stark verändert worden, seine Fingerkuppen unterzog er regelmäßig Säurebädern, um unerkannt zu bleiben. Barrera stieg in den 1980ern als Laborant ins Drogengeschäft ein, ehe er zum Händler und später Syndikatschef wurde.

Kontakt zu seinen kriminellen Kollegen sowie seiner Familie hielt "El Loco" nur über öffentliche Telefonapparate, aus Angst abgehört zu werden. Die Ermittler hörten bei Dutzenden Gesprächen tatsächlich von der anderen Seite mit und kamen dem Drogenboss dadurch auf die Spur. Bei 69 regelmäßig von Barrera benützten Telefonzellen lauerte am Tag seiner Verhaftung die venezolanische Polizei. Als ihm Handschellen angelegt wurden, halfen angesichts der Telefonprotokolle auch die verätzten Finger nichts mehr.

Kolumbien: Die Kokain-Fabrik der Welt
Kolumbien gilt als größter Kokain-Produzent der Welt. Auch wenn laut Regierung die Drogenbarone mit Operationen in Fabriksgröße praktisch ausgelöscht sind, bleibt das Land unangefochtener Spitzenreiter. Der jährliche Kokain-Output Kolumbiens wird auf 290 Tonnen, rund ein Drittel der Weltproduktion, geschätzt.

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