Libanon-Besuch
Papst wirbt als ‘Pilger des Friedens’ für Versöhnung
Benedikt XVI. forderte am ersten Tag seiner Reise in die Krisenregion ein Ende der Waffenlieferungen an das Bürgerkriegsland Syrien. "Ohne dies lässt sich der Krieg nicht beenden. Statt Waffen braucht das Land Kreativität und Ideen für den Frieden", sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche. Die meisten Waffen der militanten Gegner von Präsident Bashar al-Assad sollen aus Beständen der syrischen Armee stammen. Die Oppositionskräfte erhielten allerdings auch Schusswaffen und Panzerfäuste aus dem Ausland, finanziert von Exilsyrern und Sympathisanten in den arabischen Golfstaaten. Das syrische Regime bezieht seine Rüstungsgüter vor allem aus Russland.
Papst warnt vor Abwanderung der Christen
Zugleich warnte der Papst vor einer Abwanderung der Christen aus der Region. "Ein Naher Osten ohne oder mit wenig Christen wäre nicht mehr der Nahe Osten", schreibt Benedikt XVI. im Abschlussdokument der Bischofsynode über den Nahen Osten. Die Synode hatte vor zwei Jahren - im Oktober 2010 - im Vatikan getagt. Das Dokument wird auch als Aktualisierung der damaligen Beratungen verstanden.
Der Papst ruft die Christen darin zugleich auf, den ökumenischen Dialog zu vertiefen und noch enger mit Muslimen und Juden zusammenzuarbeiten. Er verurteilt jedwede Form von religiösem Fundamentalismus und Rassismus und spricht sich für eine angemessene Trennung von Religion und Politik aus. An Politiker und Religionsführer appelliert er, alles dafür zu tun, dass endlich Frieden in Nahost herrsche. In dem rund 100-seitigen Text mit dem Titel "Kirche im Nahen Osten" fasst Benedikt XVI. die Ergebnisse der Bischofsversammlung im Vatikan von 2010 zusammen.
Besuch von Protesten in islamischer Welt überschattet
Überschattet wird der Besuch des Papstes allerdings nicht nur vom Bürgerkrieg in Syrien. In Libyen, Ägypten und auch im Libanon selbst brachen gewaltsame Proteste aus, als Reaktion auf ein Schmähvideo aus den USA, das den Propheten Mohammed verunglimpft (siehe Infobox). Nach den Worten von Vatikan-Sprecher Federico Lombardi haben die gewaltsamen Proteste Papst Benedikt XVI. jedoch noch in seiner Friedensmission bestärkt.
Der Papst sei über die Ausschreitungen in der nordlibanesischen Stadt Tripoli mit einem Toten und 25 Verletzten informiert worden, sagte Lombardi laut Kathpress am Freitagabend in Beirut. Gerade angesichts der Spannungen und Konflikte sei Benedikt XVI. "absolut entschlossen", die Region zu besuchen. Kernbotschaft seiner Ansprachen sei: "Habt keine Angst", so der Jesuit.
Außergewöhnliche Sicherheitsmaßnahmen für Beirut seien nicht getroffen worden, hatte der Vatikan bereitst zuvor betont. Bei jedem päpstlichen Besuch trifft das Gastland jedoch eine Reihe striktester Vorkehrungen. "Alle Sicherheitskräfte sind im Einsatz, um einen sicheren Besuch des Papstes zu garantieren", sagte Innenminister Marwan Charbel.
Dialog mit dem Islam im Mittelpunkt
Bemüht um den Dialog mit dem Islam, kommt Benedikt im Präsidentenpalast in Baabda mit führenden Köpfen der Muslime im Libanon zusammen. Auch ein Gespräch mit Präsident Michel Sleimane, einem maronitischen Christen, steht auf dem Programm. Sleimane hatte den Papst am Flughafen in Empfang genommen. Eine Sonntagsmesse in Beirut ist der Höhepunkt der 24. Auslandsreise Benedikt XVI.
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