Autobomben gezündet

Irak: Über 100 Tote nach blutiger Anschlagsserie

Ausland
09.09.2012 20:43
Bei einer Reihe von Anschlägen sind im Irak mehr als 100 Menschen getötet worden. Hunderte Menschen seien bei den Attentaten verletzt worden, teilten die irakischen Behörden am Sonntag mit. Bei dem blutigsten Anschlag starben mindestens 24 Menschen, als in der Früh im Süden des Landes zwei Autobomben auf einem Markt explodierten. Später wurden bei mehreren Anschlägen in der Hauptstadt Bagdad mindestens 50 Menschen getötet.

Bei dem Attentat in der rund 365 km südlich von Bagdad gelegenen Stadt Amara explodierte die zweite Bombe erst, als die Rettungskräfte eintrafen, um die Opfer der ersten Explosion zu versorgen. 24 Menschen wurden so in den Tod gerissen. Der voll besuchte Markt, auf dem sich der blutige Anschlag ereignete, liegt in der Nähe des Schreins für einen schiitischen Imam. Mehr als 60 Menschen seien verletzt worden, sagte ein Mitarbeiter der Gesundheitsbehörde in der Provinz Maisan. 

Bei einem Angriff auf einen Militärstützpunkt 70 Kilometer nördlich von Bagdad wurden elf Soldaten getötet und acht weitere verletzt, wie Armee und Ärzte mitteilten. Bewaffnete Angreifer nahmen den Armeeposten Balad demnach in der Nacht zum Sonntag unter Beschuss. Als weitere Soldaten dort eintrafen, sei eine an der Straße deponierte Bombe explodiert.

Autobombe vor Ölkonzern
Am Sonntag explodierte zudem eine Autobombe nahe Kirkuk im Nordirak, wodurch sieben Menschen getötet wurden. 17 weitere seien verletzt worden, erklärten ein Polizeibeamter und ein Arzt. Der Anschlag richtete sich laut Polizei gegen den staatlichen irakischen Ölkonzern North Oil. Die Bombe explodierte am Morgen auf einem Parkplatz des Unternehmenssitzes etwa 15 Kilometer von Kirkuk entfernt. Bei den Opfern handelte es sich den Angaben zufolge um Menschen, die sich als Wachleute bewarben.

In der Stadt Kirkuk selbst detonierten zwei Bomben, wobei laut Polizei und Rettungskräften drei Menschen getötet und mehr als 70 weitere verletzt wurden. Dabei wurden zahlreiche Autos und Regierungsgebäude beschädigt, wie ein AFP-Korrespondent berichtete. In der ölreichen Provinz Kirkuk gibt es immer wieder ethnische Spannungen.

Anschlag vor französischer Botschaft
Zudem explodierte nach Angaben von Sicherheitskräften eine Autobombe vor dem französischen Konsulat in der südirakischen Stadt Nassiriya. Ein Mensch sei getötet und zwei weitere verletzt worden, sagte der Leiter des städtischen Krankenhauses. Zur Identität der Opfer wurden keine Angaben gemacht. Der Honorarkonsul war nach Angaben aus französischen Diplomatenkreisen zum Anschlagszeitpunkt nicht vor Ort. Ebenfalls in Nassiriya explodierte nach Krankenhausangaben zudem eine Autobombe vor einem Hotel, wodurch zwei Menschen getötet und zwei weitere verletzt wurden.

Anschläge mit Todesopfern wurden außerdem aus West-Kirkuk, aus der Region Tal Afar, aus der Stadt Samarra, aus Tus Khurmatu, Taji und Baakuba gemeldet. In der sonst relativ ruhigen Stadt Basra im Süden des Landes starben bei einer Autobombenexplosion drei Menschen. Mindestens 20 weitere Menschen wurden dabei nach Angaben aus Sicherheits- und Ärztekreisen verletzt.

Auch Bagdad von Anschlägen erschüttert
Bei weiteren Anschlägen sind am Sonntagnachmittag in der Hauptstadt Bagdad insgesamt mindestens 50 Menschen getötet worden. 102 weitere Menschen wurden nach Angaben von Sicherheitskräften und Krankenhausmitarbeitern verletzt. Der blutigste Anschlag wurde im Stadtteil Sadr City im Nordosten der irakischen Hauptstadt verübt. Dort starben mindestens 13 Menschen, während 32 weitere verletzt wurden.

Anschläge immer noch Alltag
Anschläge gehören immer noch zum Alltag im Irak, auch wenn die bürgerkriegsartigen Konflikte 2006 und 2007 mit Tausenden Toten ihren Höhepunkt erreicht hatten. Meist werden sie dem irakischen Ableger des Terrornetzes Al-Kaida zugeschrieben.

Ein Gericht in Bagdad hat am Sonntag den irakischen Vizepräsidenten Tarik al-Haschimi in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Der Sunnit wurde wegen der Organisierung von Todesschwadronen und mehrfachen Mordes verurteilt. Das teilte das Gericht mit. Seiner Verhaftung hatte sich Al-Haschimi durch Flucht in die kurdische Autonomieregion und dann in die Türkei entzogen.

Verurteilung von Vizepräsidenten heizt Konfilkt an
Al-Haschimi und seine Anwälte hatten die Vorwürfe stets bestritten. Das Verfahren war in ihren Augen vom schiitischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki gesteuert, der auf diesem Wege einen politischen Gegner aus dem Weg räumen wolle. Al-Maliki regiert im Irak an der Spitze einer schiitisch-kurdischen Koalition. Beobachter werfen ihm einen zunehmend autoritären Regierungsstil vor. Al-Haschimi, der aus der sunnitischen Irakischen Islam-Partei (IIP) kommt, ist neben dem Schiiten Khudair al-Khusai Stellvertreter des irakischen Präsidenten Jalal Talabani, der ein Kurde ist.

Das Verhältnis zwischen der schiitischen Bevölkerungsmehrheit (rund 60 Prozent) und der sunnitischen Minderheit (rund 20 Prozent) ist immer noch sehr angespannt. Sunnitische Extremisten erschüttern das Land immer wieder mit blutigen Terroranschlägen.

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