Di, 16. Juli 2019
07.09.2012 09:44

Liebe zu Gadafi-Sohn

Israelisches Model fordert Herausgabe von Saif al-Islam

Ein israelisches Model sorgt in Libyen für Aufregung: Orly Weinerman, 41, offenbart in einem Interview ihre Liebesbeziehung zu Saif al-Islam, dem ältesten Sohn des gestürzten Diktators Muammar al-Gadafi, und ruft die libysche Regierung zu dessen Herausgabe auf. Saif al-Islam sei ein sanftmütiger Mann und werde von der internationalen Gemeinschaft in Stich gelassen, obwohl er lange seinen Vater in Schach gehalten habe. Der Gadafi-Sohn habe Anspruch auf ein faires Verfahren außerhalb Libyens.

2006 hatte eine israelische Zeitung erstmals Gerüchte über eine angebliche Affäre zwischen Weinerman und dem ein Jahr jüngeren Saif al-Islam (im Bild rechts nach seiner Verhaftung im November 2011 durch libysche Rebellen) gestreut. Zu dieser Zeit stritten beide aber jeglichen Kontakt zuneinander ab.

Eine offene Beziehung zwischen dem Sohn des libyschen Staatsoberhaupts und der Israelin wäre nicht nur aus kultureller Sicht ein Tabubruch gewesen. Israel und das libysche Regime standen einander stets feindlich gegenüber: Gadafi unterstützte in den 80ern und 90ern Israel- und US-feindliche Terrorgruppen, andererseits engagierte die Familie 2011 den israelischen Anwalt Nick Kaufman, um ein Verfahren zur Untersuchung der Tötung des Diktators durch libyschen Rebellen zu erreichen.

"Wir haben gemeinsam immer viel gelacht"
Weinerman riskiert mit der Offenbarung nicht nur ihre Karriere, sondern auch ihre Sicherheit. Sie tut es dennoch, weil Saif al-Islam ihrer Meinung nach von der internationalen Gemeinschaft in Stich gelassen worden sei und ihm in den Händen der libyschen Regierung die Todesstrafe drohe. Details über die Dauer ihrer Beziehung mit dem Diktatorensohn oder gar gemeinsame Fotos wollte sie den Reportern der US-Nachrichtenagentur AP beim Interview nicht liefern. Sie habe Saif al-Islam erstmals 2005 in London getroffen, wo sie einander durch Freunde vorgestellt worden seien.

"Er hat einen großartigen Sinn für Humor, und wir haben gemeinsam immer viel gelacht", so Weinerman. Der 40-Jährige, der seit November 2011 in einem libyschen Gefängnis festgehalten wird, sei ein sanfter, ruhiger und höflicher Mensch, "ein echter Gentleman". In Libyen habe sie Saif al-Islam nie besucht, aber außerhalb seiner Heimat mehrere Familienmitglieder des Gadafi-Clans getroffen. Auf seinen Vater, den störrischen Militäroberst, habe Saif al-Islam beruhigenden Einfluss gehabt. Er sei es gewesen, der Libyen aus der internationalen Isolation führen habe wollen und der den Dikator zu Reformen gedrängt habe. "Und er hatte noch viele weitere vor."

Für Libyen und IStGh ist Saif al-Islam ein Kriegsverbrecher
Das Bild des Menschen, das Weinerman beschreibt, steht im krassen Gegensatz zum "Junior-Tyrannen", dem die libysche Regierung den Prozess machen will. Saif al-Islam soll wegen Mordes, Folter von Rebellenkämpfern und Kriegsverbrechen angeklagt werden.

Auch der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag bezichtigt den Dikatorensohn der Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Saif al-Islam soll in Angriffe des Regimes auf Zivilisten während der Rebellion in Libyen verwickelt gewesen sein. Die libysche Regierung verneint aber die Auslieferung des 41-Jährigen und will noch im September mit dem Prozess beginnen. Im Juni hat die libysche Regierung sogar vier Mitarbeiter des IStGh vorübergehend festgehalten.

Aufruf an UNO und NATO, Tony Blair soll "Loyalität zeigen"
Weinerman sieht die Vereinten Nationen und die in den libyschen Krieg involvierten NATO-Länder gefordert. Diese hätten die Rebellen unterstützt und seien nun verantwortlich für Saif al-Islams Wohlergehen. Er habe ein Recht auf einen fairen Prozess in Den Haag, dessen Ergebnis nicht von vornherein eine Hinrichtung sei.

Der ehemalige Fernsehstar hat seit Saif al-Islams Verhaftung vor fast einem Jahr keinen Kontakt mehr mit ihm. Sie fürchte daheim in Tel Aviv Tag für Tag um die Sicherheit des Gadafi-Sohns.

Das Model appelliert auch an den ehemaligen britischen Premierminister Tony Blair. Dieser sei ein "enger Freund" Saif al-Islams gewesen und nun verpflichtet, seine Loyalität unter Beweis zu stellen. Blair half dem Gadafi-Sohn 2007 bei dessen Abschlussarbeit an der London School of Economics. Weder UN- oder NATO-Vertreter noch der ehemalige Premier Blair wollten Weinermans Forderungen bisher kommentieren.

Online-Petition gestartet
Weinerman hat auch eine Online-Petition gestartet, in der sie dem internationalen Strafgerichtshof und seinem Chefankläger Luis Moreno-Ocamp juristisches Fehlverhalten vorwirft. Wer unterschreibt, stimmt zu, dass "Saif al-Islam das Opfer einer medialen Kampagne ist, um ihm ohne substantielle Beweise die Schuld für Verbrechen zuzuweisen, die er nicht begangen hat". Als Ziel gibt Weinerman 50.000 Unterstützungserklärungen an, Freitagmittag stand der Zähler bei 1.353 Unterschriften.

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