Gesundheitskollaps
Athen: Erboste Senioren stürmen Ministerium
Die Gewerkschaften hatten in Athen zu einer Protestaktion gegen die Sparmaßnahmen bei den Krankenkassen des krisengeschüttelten Landes aufgerufen. Auf einem Transparent der Protestierenden war zu lesen: "Wir brauchen unsere Medizin jetzt, wir haben dafür bezahlt".
Rund 200 demonstrierende Senioren durchbrachen dann eine Absperrung der Polizei und besetzten für etwa 20 Minuten die Lobby des Gesundheitsministeriums. Auch das Büro des Ministers wurde bei der Aktion von knapp 20 aufgebrachten Pensionisten gestürmt. "Wir haben das Büro kurz besetzt, weil er (der Minister) uns nicht sehen wollte", sagte ein Demonstrant im Fernsehen.
Krankenhäuser mit Milliardenschulden
Hunderttausende Versicherte der größten griechischen Krankenkasse EOPYY müssen seit Montag ihre Medikamente in den Apotheken zunächst selbst bezahlen und können den Betrag erst anschließend bei der Kasse einfordern. Auch viele Ärzte behandeln diese Kassenpatienten nur noch gegen Barzahlung. Die Krankenhauser, und damit der griechische Staat, schulden den Apothekern und Ärzten nach Angaben ihrer Verbände Milliardensummen. Viele griechische Krankenkassen stehen kurz vor dem Zusammenbruch. Wegen der Rezession sind ihre Einnahmen um rund 40 Prozent eingebrochen.
Verbände warnen vor Kollaps
Im Juni hatten sich die Apotheker-Verbände in einem Brief an die EU-Task-Force, welche den griechischen Staat beim Aufbau einer funktionierenden Verwaltung unterstützt, gewandt und dringend um Hilfe gebeten (siehe Infobox). Das Land brauche mindestens 1,5 Milliarden Euro für Medikamente und medizinisches Material, hieß es. "Das Gesundheitssystem bricht zusammen", warnten die Verbände in ihrem Appell.
Pharmakonzerne machen Druck
Bereits im September des Vorjahres hatte der Pharmariese Roche in Griechenland Druck auf säumige Zahler gemacht: Der Schweizer Konzern stoppte die Auslieferung seiner Medikamente gegen Krebs und andere Krankheiten an griechische Krankenhäuser, weil diese ihre Rechnungen nicht bezahlt hatten. "Es gibt Krankenhäuser, die ihre Rechnungen seit drei oder vier Jahren nicht bezahlt haben", hatte Konzernchef Severin Schwan den Schritt gegenüber dem "Wall Street Journal" begründet.
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