Walesa appelliert:

“Dem guten Putin helfen, auf bösen Putin aufpassen”

Ausland
29.08.2012 15:18
Der polnische Friedensnobelpreisträger Lech Walesa (re.) hat vor einem möglichen Auseinanderbrechen Russlands gewarnt. "Das wäre extrem gefährlich und könnte dazu führen, dass das gewaltige Waffenpotenzial des Landes bald ganz Europa bedroht", sagte der 68-jährige Ex-Präsident in einem Interview mit der Deutschen Wochenzeitschrift "Superillu". Was den russischen Staatschef Wladimir Putin (li.) betrifft, erklärte Walesa: "Für mich gibt es zwei Putins."

Der Westen dürfe zwar russische Oppositionelle, welche gegen die Politik des Kremlchefs kämpfen, moralisch unterstützen. "Aber wir müssen sie auch zur Mäßigung aufrufen, sie davor warnen, was alles passieren könnte", so Walesa.

Für den russischen Präsidenten, der seit seiner umstrittenen Wiederwahl im März 2012 und dem Gerichtsurteil gegen die regierungskritische Punkband Pussy Riot im Westen zunehmend kritisiert wird, warb Walesa um Verständnis: "Für mich gibt es zwei Putins: der eine, der Russland zusammenhält, damit es nicht zerfällt - und es ein wenig und sehr langsam reformiert." Diesen Putin müsse man verstehen und respektieren.

"Höllisch aufpassen, der ist gefährlich"
Aber es gebe auch noch den anderen Putin, der drohe, es allen zu zeigen, der von einem neuen Weltreich träume. "Auf diesen Putin muss man höllisch aufpassen, der ist gefährlich", so Walesa. "Wir müssen dem guten Putin bei seinen Reformen helfen - aber auf den bösen Putin aufpassen. Und sehr behutsam vorgehen."

Als Oppositioneller und Mitgberünder der polnischen Gewerkschafts-und Freiheitsbewegung Solidarnosc war Walesa selbst lange Zeit seines Lebens politischer Verfolgung ausgesetzt und mehrmals inhaftiert. Walesa wird am 19. September von "Superillu" mit dem Publikumspreis "Goldene Henne" in der Kategorie Politik ausgezeichnet.

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