US-Enthüllungsbuch

Erste Auszüge: So starb Terrorchef Bin Laden wirklich

Ausland
29.08.2012 13:05
Nach der Identität des Autors sind nun auch erste Details aus jenem Buch, das ein Mitglied des auf Al-Kaida-Chef Osama bin Laden (im Bild auf einem seiner letzten Videos) angesetzten US-Todeskommandos geschrieben hat, bekannt geworden. Laut der Nachrichtenagentur AP wurde der unbewaffnete Terrorpate erschossen, als er durch eine Tür aus einem Zimmer lugte. Von Gegenwehr sei keine Spur gewesen, schreibt dabei Ex-Navy-Seal Matt Bissonnette. Die bisherigen Berichte seien eher einem "schlechten Action-Film entsprungen": "Es war lustig, aber nur, weil alles so falsch berichtet wurde."

Laut AP, die sich bereits vorab eine Kopie des nach neuesten Informationen in der nächsten Woche unter dem Titel "No Easy Day: The Firsthand Account of the Mission That Killed Osama bin Laden" (Kein leichter Tag: Ein Bericht aus erster Hand über den Einsatz, bei dem Osama bin Laden getötet wurde) erscheinenden Buches gesichert hat, verlief die Exekution von Bin Laden jedenfalls relativ unspektakulär.

Entgegen immer wieder aufgestellten Behauptungen seien die Navy Seals nicht einmal beim Betreten jenes Areals, auf dem sich der letzte Unterschlupf des Terrorpaten befand, auf bedeutende Gegenwehr gestoßen. Es habe dabei kein "40-minütiges Feuergefecht" gegeben, das Bin-Laden-Haus sei ohne Probleme betreten worden.

"BOP. BOP."
Unter dem Pseudonym Mark Owen beschreibt der Autor die Szenerie im Haus dann folgendermaßen: Der "point man", also der erste Soldat in der Navy-Seal-Gruppe, habe fünf Stufen vor dem Erreichen des ersten Stocks zwei Schüsse abgegeben ("BOP. BOP."), weil er "bei einer Tür einen Mann herauslugen sah". Als die Elitesoldaten dann diesen Raum betraten, bemerkten sie relativ rasch, dass es sich bei diesem Mann um Osama bin Laden gehandelt hatte.

Der Al-Kaida-Chef habe eine deutlich sichtbare Schusswunde an seiner rechten Schädelseite aufgewiesen und sei in einer Lache seines eigenen Blutes gelegen. Zwei Frauen hätten sich über den in den letzten Zuckungen liegenden Mann gebeugt gehabt. Die Navy Seals hätten daraufhin den Raum gesichert. Bissonnette und ein anderes Mitglied der Gruppe hätten schließlich noch mehrmals auf Bin Laden geschossen, um sicherzugehen, dass er auch wirklich tot sei.

Widersprüche zur offiziellen Version
Mit dieser Schilderung widerspricht der Buchautor allerdings jener Version, die vom Weißen Haus lange Zeit vertreten worden war, und auch dem ursprünglichen Einsatzbefehl, den er folgendermaßen zitiert: "Wenn Osama keine Gegenwehr leistet, dann ist er festzunehmen." 

Laut Buchauszügen, welche die "Huffington Post" veröffentlichte, sei Bin Laden aber alles andere als im Kampf oder gar heldenhaft gefallen, die im Raum bereitliegenden Waffen seien nicht einmal geladen gewesen: "Er hatte nicht einmal eine Verteidigung vorbereitet, zeigte keine Intention zum Kampf. Er rief seine Anhänger jahrzehntelang dazu auf, Sprenggürtel zu tragen oder Flugzeuge in Gebäude zu fliegen, aber dann griff er nicht einmal zur Waffe. Aber in all meinen Einsätzen sah ich dieses Phänomen immer wieder: Je höher jemand in der Nahrungskette steht, desto feiger ("the bigger a pussy", Anm.) ist er."

"Hast du wirklich an diesen Scheiß geglaubt?"
Im Buch nimmt der Ex-Elitesoldat auch US-Präsident Barack Obama in die Kritik, der nicht gerade ein "Liebling" von ihm und seinen Kollegen sei. Neben der nicht eingelösten Einladung auf ein Bier (O-Ton aus dem Buch: "Hast du wirklich an diesen Scheiß geglaubt? Ich wette, du hast auch für 'Change' gestimmt.") wirft Bissonnette dem Demokraten vor allem vor, den Tod Bin Ladens für seine Wiederwahl benutzt zu haben. Dies sei aber schon vor der erfolgreich durchgeführten Mission klar gewesen. 

Bereits bevor die Elitetruppe das grüne Licht erhalten habe, wären bei einer Besprechung folgende Worte gefallen: "Und natürlich tragen wir dazu bei, dass Obama wiedergewählt wird. Ich kann es jetzt schon sehen, wie er davon erzählt, wie er Bin Laden getötet hat." Dies sei aber Bestandteil des Deals gewesen, ist sich der Autor auch sicher. "Wir waren ihre Werkzeuge, und sie nutzten die erfolgreiche Mission für ihre Zwecke."

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