Letzter Ausweg

Massenflucht ins Ungewisse: Libanon als Ziel der Syrer

Ausland
28.08.2012 08:27
Sie wirken erschöpft und hilflos. Tausende Flüchtlinge aus Syrien, vor allem Frauen und Kinder, haben es in den vergangenen Tagen auf libanesischen Boden geschafft. Stundenlang haben sie an der Grenze darauf gewartet, dass libanesische Grenzwachen ihre Pässe abstempeln - und ihnen damit den Weg in die Freiheit eröffnen. Der Zustrom neuer Flüchtlinge will nach den jüngsten Kämpfen und Massakern in und um Damaskus nicht enden.

"Einige von ihnen haben einen Platz zum Wohnen. Doch die meisten sind hilflose Syrer, die einfach nur fliehen, um ihre Familien zu schützen, ohne ein Ziel vor Augen", sagt Bashir al Djarah, der ein provisorisches Flüchtlingslager im libanesischen Mardsh leitet. "Wir werden unser Bestes tun, um die Neuankömmlinge unterzubringen, selbst wenn wir sie dafür in unseren eigenen Häusern wohnen lassen müssen."

Flucht als letzter Ausweg
"Wir wissen nicht, wohin wir von hier aus weitergehen sollen", sagt Amira aus dem umkämpften Stadtteil Djobar in Damaskus. "Man hat uns gesagt, dass es in der Region West Bekaa Schulen gibt, die uns erst mal aufnehmen können." Doch was Amira nicht weiß, ist, dass die Schulen dort längst überfüllt sind. Binnen weniger Stunden hätten mehr als 6.800 Menschen die Grenze überquert, sagen Beamte in Masnaa. Das sei viel für ein kleines Land wie den Libanon.

"Ich habe das Gebiet mit meiner Mutter, Schwester und unseren fünf Kindern am Sonntag verlassen. Wir sind mit einem Taxi in den Libanon gefahren", erzählt Amira. "Mein Mann und der Mann meiner Schwester sind noch immer in Djobar." Andere Flüchtlinge berichten, dass Imame sie über die Mikrofone der Moscheen aufgerufen hätten, sich vor dem Beschuss der Regierungstruppen zu retten und Syrien zu verlassen.

"Gebiete am Stadtrand brennen, und Dutzende Menschen werden jeden Tag getötet", sagt Abu Mustapha aus Daraya bei Damaskus. Erst am Montag hatte er vom Tod dreier Cousins und ihrer Familien erfahren. "Auf den Friedhöfen ist kein Platz mehr für Leichen, sie sind voll." Abu Mustaphas Frau Zhara steht neben ihm, ganz in Schwarz gekleidet. Auch sie hat erst vor wenigen Tagen ihre beiden Schwestern verloren.

Rückkehrer wieder in die Flucht geschlagen
Viele Flüchtlinge waren erst vor zwei Wochen nach Damaskus zurückgekehrt, als die Regierungstruppen wieder Kontrolle über die Hauptstadt erlangt hatten. Nun, da die Kämpfe von Neuem ausgebrochen sind, hätten die meisten ein weiteres Mal Zuflucht im Libanon gesucht, sagen libanesische Grenzbeamte.

Mehr als 51.000 Syrer haben sich bisher im Libanon bei den Vereinten Nationen registrieren lassen. Das Nachbarland Jordanien schätzt, dass schon 160.000 syrische Flüchtlinge angekommen sind. In der Türkei sind es mehr als 80.000.

Der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen bemüht sich zusammen mit seinen Partnern um neue Unterkünfte - vor allem für diejenigen, die jetzt noch in Schulen wohnen. Im September beginnt im Libanon wieder der Unterricht, spätestens dann muss eine Lösung her.

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