Vier Abschiedsbriefe

Aus “fürsorglicher Liebe” Familie in Berlin getötet

Ausland
23.08.2012 09:51
Jener Mann, der in Berlin seine Frau und seine zwei Söhne getötet und danach Selbstmord begangen hat, hat einen von insgesamt vier Abschiedsbriefen an die Redaktion der "Bild"-Zeitung geschickt. Dies berichtete das Blatt am Donnerstag. Seine grausame Tat erklärte der 69-Jährige demnach mit "fürsorglicher Liebe".

Der Mann hatte seine 28 Jahre alte Frau sowie seine beiden kleinen Söhne in der gemeinsamen Wohnung im Stadtteil Gatow getötet, bevor er sich selbst erstickte. Die knapp einjährige Tochter überlebte - der Vater hatte sie anonym in einer Babyklappe abgegeben.

"Ich tat dies in voller Verantwortung"
Es gebe mehrere Abschiedsbriefe, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag. Einer lag demnach neben dem toten Mann. Drei weitere sollen an verschiedene Empfänger verschickt worden sein. "Das klingt nach einer absolut geplanten Tat", so der Sprecher. Die Tageszeitung "Bild" zitierte aus dem ihr zugesandten Brief: "Ich tat dies alles in voller Verantwortung und bei vollkommen klarem Bewusstsein aus fürsorglicher Liebe, denn unsere Gesellschaft hat für Versager nur 'den Platz unter der Brücke'."

Offenkundig hatte der Familienvater große finanzielle Probleme, die Familie sei laut Polizei schwer verschuldet gewesen. Nach den Angaben des Mannes habe seine Frau die Belastung nicht mehr ertragen. Die Zeitung zitierte ihn mit den Worten: "Mehrmals sagte meine Frau, dass wenn die Kinder nicht wären, sie schon längst aus dem Fenster gesprungen wäre."

Töchterchen "soll eine Chance haben"
Seine kleine Tochter habe er verschont: "Sie ist noch sehr jung und kann sich an neue Gegebenheiten sicherlich recht schnell gewöhnen. Sie soll eine Chance haben, unter liebevollen Ersatzeltern vielleicht doch eine unbelastete Zukunft haben zu können." Eine Sprecherin des Krankenhauses sagte, das abgegebene Mädchen sei gesund und gepflegt gewesen. Am Montag sei die Kleine in die Obhut eines Kinderheimes gekommen.

Die Staatsanwaltschaft teilte mit, dass in dem Brief aus der Wohnung der Familie die Tat chronologisch geschildert werde. Demnach brachte der Mann zunächst seine Frau und dann die Söhne um. Danach sei er zum Waldkrankenhaus Spandau gefahren, um die kleine Tochter abzugeben. Anschließend sei er in die Wohnung in dem gut situierten Stadtteil am Wannsee zurückgekehrt, wo er sich erst später das Leben genommen habe.

Familiendramen erschüttern Deutschland
In den vergangenen Wochen hatten mehrere Familiendramen deutschlandweit für Aufsehen gesorgt. Zuletzt waren am Montag in Neuss die Leichen einer Frau und ihrer beiden Kinder aufgefunden worden (siehe Infobox). Der als gewalttätig bekannte Familienvater soll sie erschossen haben.

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