Wiener Kammerspiele

Betörende Möwe in Fieberträumen

Kritik
29.03.2024 15:50

Anton Tschechows Drama „Die Möwe“ ist sehenswert in den Wiener Kammerspielen gelandet. Torsten Fischer hat seine Regiearbeit aus dem Reichenauer Sommer 2022 mit einem prächtigen Ensemble überzeugend aufgefrischt.

kmm

Das neue Konzept der „Josefstadt“-eigenen Kammerspiele – hier werden jetzt Klassiker statt Schwänke gespielt – trägt nicht nur bekömmliche Früchte. Aber mit einer darob ins Haupthaus übernommenen „Dreigroschenoper“ hat der Regisseur Torsten Fischer vorgezeigt, wie es geht. Ihm und seinem Kompagnon Herbert Schäfer ist jetzt auch eine sehenswerte „Möwe“ zu danken. 

Mit der Tschechow-Produktion hat Maria Happel 2022 ihre Intendanz in Reichenau eröffnet. Die Aufführung ist mittlerweile straffer und komödiantischer geworden. Die Verlorenen, die sich in der seelentötenden Provinz Erlösung durch das Theater erträumen, taumeln jetzt, als wäre es der „Reigen“, durch fiebrige erotische Obsessionen.

Das Ensemble, veredelt durch den großen Martin Schwab, hat Format. Nils Arztmann, Paula Nocker und Johanna Mahaffy sind die fabulösen Jungen, mit Claudius von Stolzmanns Trigorin, Günter Franzmeiers Dorn und Sandra Cerviks Irina lässt sich Staat machen. Dass sich Maria Happel damit für die bald vakante „Josefstadt“-Führung empfiehlt, ist anzufügen.

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