Geschenke gestohlen?

“Vatileaks” weitet sich aus: Weiterer Angeklagter

Ausland
13.08.2012 14:31
In der Enthüllungsaffäre "Vatileaks" muss sich der beschuldigte Kammerdiener von Papst Benedikt XVI. wegen schweren Diebstahls vor Gericht verantworten. Zudem werde Anklage gegen einen weiteren Beschuldigten erhoben, teilte der vatikanische Ermittlungsrichter Piero Bonnet am Montag mit. Dabei handelt es sich um einen Programmierer des vatikanischen Staatssekretariats.

Beim beschuldigten Kammerdiener Paolo Gabriele wurden laut Vatikansprecher Federico Lombardi nicht nur vertrauliche Dokumente von Benedikt XVI. beschlagnahmt, sondern auch ein Scheck in Höhe von 100.000 Euro, der für den Papst ausgestellt worden war, sowie ein Goldnugget und eine Ausgabe von Vergils Epos "Äneis" aus dem Jahr 1581. Dabei handle es sich um Geschenke für den Heiligen Vater. Gabriele sei einem psychiatrischen Gutachten unterzogen worden, die Ermittlungen gegen ihn liefen weiter.

Dem Programmierer Claudio Sciarpelletti wird Beihilfe zum Diebstahl vorgeworfen. Der zweite Beschuldigte werde nach Angaben Lombardis durch die Untersuchungen aber weniger belastet als Gabriele. Er könne nicht direkt als "Komplize" betrachtet werden, seine Aussagen seien jedoch in mehreren Aspekten unklar. Lombardi berichtete, es würden auch Ermittlungen zu möglichen weiteren Verdächtigen fortgeführt: "Die vatikanische Untersuchung wird mit der Gründlichkeit weitergeführt, die sie bisher gekennzeichnet hat."

Kammerdiener gibt seiner "Unordentlichkeit" die Schuld
Laut den Dokumenten der Ermittler habe Gabriele den Umstand, dass sich Geschenke des Papstes in seiner Wohnung befanden, mit seiner "Unordentlichkeit" begründet. Öfters sei er vom Heiligen Vater beauftragt worden, dessen Geschenke in ein Lager zu bringen. Zudem habe er vom Privatsekretär des Papstes, Georg Gänswein, Bücher bekommen, die dem Heiligen Vater geschenkt wurden. Er habe die "Äneis" in seiner Wohnung gehabt, weil sein Sohn sich damit im Schulunterricht befasste, berichtete Gabriele.

Der am 23. Mai verhaftete Gabriele gab zu, dass er den italienischen Journalisten Gianluigi Nuzzi in dessen Wohnung getroffen habe. Dieser veröffentlichte angebliche Geheimdokumente aus dem Vatikan in seinem Buch mit dem Titel "Sua Santita" (Seine Heiligkeit). Dazu gehören Briefe und Faxe sowie Gesprächsvorlagen für den Papst. Gabriele erklärte, dass er von Nuzzi anonym für eine TV-Reportage interviewt worden sei, die im Frühjahr von dem TV-Sender La 7 gesendet wurde.

Der Kammerdiener versicherte, dass er kein Geld oder andere Vorteile für die Weitergabe der Dokumente erhalten habe. "Ich war der Ansicht, dass der Heilige Vater nicht korrekt über einige Angelegenheiten informiert war", berichtete Gabriele den Ermittlern. Er habe die vertraulichen Dokumente auch seinem Beichtvater übergeben, der sie verbrannt habe.

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